BenQ wollte Siemens-Zahlungen nach Taiwan umleiten

6. Oktober 2006, 13:53
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Finanzschwäche des gesamten Konzerns als Grund genannt

Neue Hinweise stützen einem Zeitungsbericht zufolge den Verdacht, dass die Pleite der früheren Siemens-Handysparte durch ihren neuen Eigentümer BenQ bewusst vorbereitet wurde. Unterhändler aus Taiwan hätten Siemens Verhandlungskreisen zufolge vor rund zwei Wochen aufgefordert, noch ausstehende Zahlungen von mindestens 50 Millionen Euro an BenQ-Mobile in Deutschland vorzuziehen und an die Konzernzentrale in Taiwan umzuleiten, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" (Montag-Ausgabe) laut Vorausmeldung.

Schwächelnd

Als Grund hätten die Unterhändler die akute Finanzschwäche des gesamten Konzerns angegeben. Siemens habe einem Vorziehen der Zahlung zwar zugestimmt, die Umleitung des Geldes nach Taiwan aber abgelehnt. Daraufhin habe BenQ kein Interesse mehr an der Zahlung gehabt.

Siemens-Finanzchef Joe Kaeser sagte gegenüber der Zeitung, Siemens sei weiter bereit, die Zahlungen wie vereinbart zu leisten. Bei den ausstehenden 167 Millionen Euro werde jedoch genau geprüft, was nach Taiwan und was an das deutsche BenQ-Tochterunternehmen überwiesen werde. Siemens hatte die Handysparte vor rund einem Jahr an BenQ abgegeben.

Hinterfrund

BenQ Mobile hatte am Freitag Insolvenz angemeldet, nachdem der Mutterkonzern aus Taiwan den Geldhahn zugedreht hatte. Insolvenzverwalter Martin Prager äußerte sich am Samstag zuversichtlich, den Betrieb zumindest bis Ende des Jahres aufrechterhalten zu können. Politiker aller Parteien hatten sich von der Schließung empört gezeigt. (APA/Reuters)

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