Europa "zum Anfassen"

10. Oktober 2006, 19:40
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Union will den Bürgern näher kommen: Info-Stelle am Wiener Ring eröffnet

Wien - Trotz Regen herrschte am Montag bei der Eröffnung der Info-Stelle der EU am Wiener Kärntnerring gute Stimmung. In einem kleinen Zelt vor den Ringstraßengalerien spielte eine Band, einige Schulklassen sorgten für zusätzliche Geräuschkulisse. Was auf den ersten Blick wie eine verspätete Wahlveranstaltung anmutete, sollte eigentlich der Startschuss für permanente Bürgernähe der Europäischen Union in der Innenstadt sein.

Öffentlichkeit

"Das neue Informationszentrum ist ein wichtiger Beitrag zur Schaffung einer Sphäre der Öffentlichkeit, die den Bürger aktiv am europäischen Entscheidungsprozess teilhaben lässt", sagte Außenamts-Generalsekretär Johannes Kyrle. Claus Sörensen, Kommunikationschef der Kommission, ergänzte: "Wir stehen hier für jedermann greifbar Rede und Antwort, wir hören zu." Gleich neben dem Portal zu dem noblen Einkaufstempel soll ein Europa "zum Anfassen" entstehen.

Einheitswährung

Sörensen verwies auf die "Erfolgsgeschichte EU" und darauf, dass Frieden "für uns heute eine Selbstverständlichkeit ist". Die Grenzen seien gefallen, der Euro als Einheitswährung wäre vor einigen Jahrzehnten noch Utopie gewesen. Der gemeinsame Binnenmarkt habe den Europäern "einen nie zuvor gekannten Wohlstand" beschert.

Globalisierung

Ein Staatenbund in einer sich rasant verändernden Welt sei die einzige Möglichkeit, Asylströme, Terrorismus, knapper werdende Energieressourcen und Pandemien erfolgreich zu bewältigen. "Für sich alleine betrachtet ist jedes einzelne Land überfordert", betonte der gebürtige Däne. Für ihn ist die EU "der beste Schutz vor den negativen Auswirkungen der Globalisierung".

Beitritt von Rumänien und Bulgarien

Sörensen thematisierte auch die Expansion der EU, die am 1. Jänner 2007 mit dem Beitritt von Rumänien und Bulgarien fortgesetzt wird: "Für weitere Erweiterungsschritte muss sich jedoch auch die EU verändern." Mit der Türkei gebe es lediglich einen Prozess der Annäherung: "Sie wird nicht morgen oder in wenigen Jahren beitreten."

Abschließend beruhigte der 55-Jährige auch die EU-Zweifler: "Glauben sie nicht alle Euromythen, die in der Zeitung stehen. Wir wollen keine Schwalben aus den Ställen der Bauern verbannen und wir verbieten auch nicht das Dekollete der Kellnerinnen in den Schanigärten." Die EU suche vor allem den Dialog mit den Bürgern - das könne man beruhigt glauben. (APA)

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