Experten: BZÖ ziemlich fix drin, Platz drei für Grüne noch möglich

4. Oktober 2006, 16:05
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Auszählung der rund 242.000 Wahlkartenstimmen mit Spannung erwartet

Wien - Mit großer Spannung wird heuer das Ergebnis der bei der Nationalratswahl per Wahlkarte abgegebenen Stimmen erwartet. Sie können noch einiges bewirken: Die Grünen könnten doch noch Dritte vor der FPÖ werden - und auch ein weiteres Mandat, vom BZÖ, dazubekommen. Für "ziemlich unwahrscheinlich" hält es hingegen der Statistiker Erich Neuwirth, dass das BZÖ aus dem Nationalrat fliegt. Umgekehrt sieht er auch wenig Chancen, dass das BZÖ doch noch das Direktmandat in Kärnten schafft. Ausgezählt werden die Wahlkarten in einer Woche, am Nachmittag des 9. Oktober.

Im Ö1-Mittagsjournal meint Robert Stein, der Chef der Bundeswahlbehörde, dass das BZÖ nur 1.000 Stimmen brauche, um über 4 Prozent zu bleiben und allein in Kärnten habe es 15.000 Wahlkarten gegeben. Für SORA-Chef Günther Ogris muss das BZÖ weiter zittern: Er sieht die Wahrscheinlichkeit, dass das BZÖ im Parlament bleibt, bei etwas über 50 Prozent. Das BZÖ werde auf alle Fälle ein Verlierer bei der Wahlkartenauszählung sein.

242.000 Wahlkartenstimmen

58 Prozent der ausgegebenen Wahlkarten wurden 2002 für die Stimmabgabe in fremden Wahlkreisen - in Österreich oder im Ausland - genutzt. Geht man von einer ähnlichen "Nutzungsrate" bei der heurigen Wahl aus, kommen zum vorläufigen Wahlergebnis von gestern, Sonntag, noch rund 242.000 Wahlkartenstimmen dazu, erläuterte Neuwirth gegenüber der APA. Und er verweist darauf, dass die frühere FPÖ bei den Wahlkartenwählern in der Regel schlechter abschnitt als am Wahlsonntag - und umgekehrt die Grünen.

Aber selbst bei einem schlechteren Abschneiden sieht der die Vier-Prozent-Grenze für das BZÖ nicht gefährdet: Denn es würden bereits knapp weniger als 1.000 - der insgesamt 242.000 - Wahlkarten-Stimmen reichen, damit das BZÖ diese Nationalrats-Hürde nimmt.

Direktmandat

Ebenso unwahrscheinlich ist laut Neuwirth aber, dass das BZÖ im Wahlkreis Kärnten Ost doch noch ein Direktmandat schafft. 23.947 Stimmen bekam das BZÖ dort gestern, Sonntag - und 24.074 wären nötig. Erreichen könnte das BZÖ das Direktmandat nur, wenn es bei den Wahlkarten merkbar besser abschneidet als am Wahlsonntag. Und das war bei der früheren FPÖ nie der Fall.

"Durchaus möglich" ist, wie Neuwirth gegenüber der APA erklärte, dass die Grünen doch noch die FPÖ überholen. 2002 lagen die Grünen bei den Nicht-Wahlkarten-Wählern um 55.000 Stimmen hinter der FPÖ, bei den Wahlkartenstimmen aber um 29.000 vor der FPÖ. Heuer fehlten den Grünen am Wahlsonntag nur mehr 32.000 Stimmen - die sie durch die Wahlkarten bekommen könnten.

Verschiebung zu den Grünen möglich

Außerdem könnte sich noch ein Mandat vom BZÖ zu den Grünen verschieben - unter der Voraussetzung, dass die Grünen bei den Kartenwählern wieder um rund zehn Prozentpunkte besser liegen und dass das BZÖ ähnlich wie die FPÖ 2002 abschneidet (die 0,15 Punkte gegenüber dem Wahlabend verlor). (APA/red)

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