Asien bleibt in Schwung

2. Oktober 2006, 01:00
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Der Aufschwung asiatischer Aktien scheint ungebrochen. So sehr Japan enttäuscht, so sehr glänzen die Börsenplätze in den Wachstumsmärkten China oder Indien

Der Aufschwung asiatischer Aktien ging auch 2006 ungebrochen weiter. Zuletzt erschreckte zwar kurzfristig die Nachricht vom Putsch in Thailand. Befürchtungen die politischen Wirren würden auf die Börsekurse schlagen, bewahrheiteten sich nicht. "Man erkennt an der Reaktion an den Aktienmärkten, dass dieser Putsch keine Auswirkungen hat", bestätigt Paul Severin, Aktienchef der Capital Invest. "Während die Vorgänge an der thailändischen Börse kaum Auswirkungen hervorriefen, waren sie an den Aktienmärkten der Nachbarstaaten gar nicht zu bemerken. Dies zeigt deutlich, dass Investoren seit der letzten Asien-Krise Ende der 90iger Jahre einen wesentlich differenzierteren Blick für die Emerging Markets bekommen haben", holt Union-Investment-Fondsmanagers Hans Hölzl noch weiter aus.

Uneingeschränkt sonnig ist es allerdings auch in Asien nicht. Paul Severin verweist auf die japanische Börse, die nach der fulminanten Performance im Vorjahr im laufenden Jahr enttäuscht: "Ein großer Einfluss auf diese enttäuschende Performance aus Sicht des Euro-Investors ist allerdings in der Entwicklung des japanischen Yen zu sehen. Allein aus der Währungsentwicklung ergibt sich bis dato ein Minus von mehr als sechs Prozent."

China und Indien glänzen

So sehr Japan enttäuscht, so sehr glänzen die Börsenplätze in den Wachstumsmärkten China oder Indien. "China ist DIE Werkbank global gesehen, das Wachstum wird sich zwar auch durch die Abschwächung der US Wirtschaft eindämmen, bleibt aber mit mehr als 10 Prozent Plus immer noch enorm stark", begründet Severin den Optimismus. Echte Angst vor einer Überhitzung der chinesischen Wirtschaft haben beide Experten nicht: "In bestimmten Segmenten ist diese Sorge bereits zu Recht gegeben (z.B: Immobilienmarkt). Andererseits sieht man am zunehmenden Handelsbilanzüberschuss, dass die Dynamik weiterhin ungebrochen ist. Aktuell sind daher diese Ängste unbegründet", glaubt Severin. "Wir gehen nicht von einem ‚hard landing’ der chinesischen Wirtschaft aus. Vielmehr sind wir der Meinung, dass die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung einer überschäumenden Konjunktur - etwa Einschränkung der Kreditvergabe, Beschränkung bei Immobilienprojekten - greifen werden, auch wenn dies Zeit benötigen wird", sieht auch Hölzl die Sache eher entspannt.

Blick zurück auf die Asienkrise

Eine große Krise, wie sie vor neun Jahren Asien erschütterte, könnte so etwas wieder passieren? "Nein. Damals gab es in Asien fixe Wechselkurse gegenüber dem US-Dollar und die Devisenbestände nahmen sukzessive ab. Heute verfügen die asiatischen Zentralbanken über hohe Fremdwährungsbestände und es herrschen flexible Wechselkurse vor. Zwar sind Hongkong-Dollar und chinesischer Renminbi in einer gewissen Bandbreite an die amerikanische Währung gekoppelt, doch sind die Bindungen bei weitem nicht mehr so eng wie damals. Der thailändische Bath befindet sich komplett im free float. Überhaupt haben die asiatischen Zentralbanken seit der damaligen Krise sehr viel gelernt und sind heute in der Lage mit eingebauten Mechanismen derartige Turbulenzen zu verhindern", schätzt Union-Investment-Mann Hölzl die Lage heute gänzlich anders ein.

Indien, Indonesien und Vietnam

Zu seinen Favoriten zählt er neben Indien noch Indonesien und Vietnam. Was Hözl an Indonesien überzeugt? "Die politische Stabilität, welche 2004 mit der Wahl von Präsident Bambang Yudhoyonos errichtet wurde. Vor allem die Bekämpfung der Korruption wirkt sich zunehmend positiv aus. Langsam kehren auch wieder ausländische Investoren nach Indonesien zurück, die das Land lange gemieden haben," begründet er seine Einschätzung.

Indien entwickelt sich neben China zunehmend zu einem weiteren Wachstumsmotor Asiens. Auch weltweit nimmt es eine immer bedeutendere wirtschaftliche Stellung ein. Allerdings weist Fondmanager Hölzl darauf hin, dass viele der positiven Nachrichten bereits in den Kursen eingepreist seien.

Sektoren mit (fast grenzenlosem) Potenzial

Hinsichtlich der Sektorenauswahl bevorzugt Hölzl unter anderem Energieerzeuger wie etwa National Thermal Power in Indien. Auch Konsumwerte (damit im Zusammenhang Immobilientitel) erscheinen ihm langfristig vor dem Hintergrund wachsender Einkommen der privaten Haushalte interessant. Zu den Top-Performern 2006 zählt er Immobilien, Konsum und Öl: "Von einem hier bereits beendeten Boom würden wir nicht sprechen, obwohl die gestiegenen Bewertungen der weiteren Entwicklung Grenzen setzen werden." (Regina Bruckner)

China pur oder Asien beigemengt: "Reine" China-Fonds beschränken sich auf Aktien von Unternehmen aus der Volksrepublik China. Viele Gesellschaften investieren ihre Fonds auch in Aktien von Unternehmen aus Hongkong und Taiwan. Nicht selten ist China auch nur ein Anlage-Schwerpunkt in "China-Fonds". Daneben ist das Fonds-Portfolio auch mit Titeln anderer asiatischer Länder ergänzt. Jährliche Verwaltungs- und Managementgebühren kommen leicht auf 1,5 bis 2,0 Prozent. Dazu kommen Ausgabeaufschläge, die mit 5 bis 6 Prozent häufig am oberen Ende der üblichen Spanne für Aktienfonds angesiedelt sind.
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    Ebenso wie die Federn des stolzen Gockels auf einem indonesischem Geflügelmarkt glänzen die Börsen in China und Indien.

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