Rendite durch Umweltschutz

25. Oktober 2006, 12:28
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Industrialisierung und Umweltschutz gehen nicht immer Hand in Hand. Was Industrien auf der einen Seite verabsäumen, davon profitieren wiederum andere Unternehmen und ihre Anleger

Wien - Die Folgen der Industrialisierung werden in China - dem Gastgeberland der Olympischen Sommerspiele 2008 - nicht nur an beeindruckenden Wachstumsraten sichtbar. Die Kehrseite der ökonomischen Medaille sind gravierende Umweltschäden. Die Wasserverschmutzung sei dabei eines der eklatantesten Probleme des Landes, erklärt Graham French, Fondsmanager des M&G Global Basics Fund dem Fonds-Infodienst e-fundresearch.com.

Fast die Hälfte der chinesischen Bevölkerung - ungefähr 600 Millionen Menschen - wird mit Wasser versorgt, das durch industrielle und landwirtschaftliche Schadstoffe oder menschliche und tierische Abfälle verunreinigt ist. Unter anderem führe der starke Einsatz von Düngemitteln dazu, dass 90 Prozent der Flüsse des Landes als verschmutzt gelten - 28 Prozent davon so stark, dass sie nicht mehr für eine Bewässerung oder für die Industrie verwendet werden können. Chinas Trinkwasserbedarf ist enorm und hat für die chinesische Regierung mittlerweile hohe Priorität.

Aufbereitungsproblem

Darüber hinaus ist die Aufbereitung von Abwässern ein großes Problem, da nur ein Bruchteil der Bevölkerung an Wasseraufbereitungsanlagen angeschlossen ist. In China fallen täglich rund 3,7 Milliarden Tonnen Abwasser an. Experten schätzen, dass das Land 10.000 Aufbereitungsanlagen bräuchte, um nur 50 Prozent dieser Abwassermenge aufbereiten zu können.

Für French ist das ein inter-essantes Anlagethema, daher hat er in das Unternehmen Bio-Treat Technology investiert. Das Unternehmen entwickelt und liefert Anlagen für die biologische Aufbereitung von Abwasser und spielt bei der Bewältigung von Chinas Abwasserproblemen eine wichtige Rolle. Bio-Treat hat jüngst eine Vereinbarung für den Bau und Betrieb von Chinas erster groß angelegter unterirdischer Abwasseraufbereitungsanlage in Peking unterschrieben. Angesichts der bevorstehenden Olympiade und des Ausmaßes von Chinas Problemen mit der Wasseraufbereitung sei das Unternehmen ideal positioniert, um Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen.

Auch in den österreichi-schen Zucker-, Frucht- und Stärkekonzern Agrana hat French im März dieses Jahres investiert. French glaubt, dass Agrana mit seinen Kapazitäten für die Herstellung von Bio- Ethanol und durch die steigende Nachfrage nach Pflanzenstärke in einer guten Position ist, um von der wachsenden Nachfrage nach Biokraftstoffen in Europa zu profitieren.

Billige Alternative

In Brasilien gilt Ethanol bereits als Alternative. Während die Ölpreise sich auf einem hohen Preisniveau befinden, betanken bereits mehrere Millionen von Brasilianern ihre Fahrzeuge mit Biokraftstoff. Dieser Kraftstoff besteht aus Ethanol, das aus Zucker oder Pflanzenstärke destilliert wird und deutlich billiger ist als Benzin. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.10.2006)

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    Von verschmutzten Gewässern, wie hier in Hongkong, profitieren Unternehmen, die Wasser filtern und aufbereiten.

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