Fiat holt sich Ferrari zurück

11. Oktober 2006, 14:16
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Turiner halten 85 Prozent an einstiger Tochtergesellschaft - Rückkauf um 900 Millionen Euro

Der Turiner Autobauer Fiat hat am Wochenende den Rückkauf der einstigen Tochtergesellschaft Ferrari bekannt gegeben. Nach einer dreijährigen Krise des Autokonzerns werten Manager dies als deutliches Signal dafür, dass Fiat den Sanierungskurs weit gehend abgeschlossen hat.

Allerdings zweifeln Analysten, ob Fiat tatsächlich im Alleingang imstande ist, sich eine kostspielige Tochter wie Ferrari leisten zu können. So hat Konzernchef Sergio Marchionne in letzter Zeit mehrmals dem DaimlerChrysler Konzern Avancen für eine mögliche Kooperation gemacht. Nach der Trennung von General Motors vor rund zwei Jahren hat sich Fiat darauf beschränkt, Spartenallianzen wie etwa mit Ford Europe, Peugeot, der russischen Severstal, der indischen Tata-Gruppe oder aber mit dem chinesischen Saiag-Konzern zu schließen.

Turin lässt sich den Rückkauf der einst an Mediobanca abgegebenen Anteile an Ferrari rund 900 Millionen Euro kosten. Fiat hatte im Jahr 2002 inmitten seiner Krise 34 Prozent des Sportwagenherstellers Ferrari an die Investmentbank Mediobanca verkauft. Teile waren davon mittlerweile in den Besitz von ABN Amro, Commerzbank und Lehman Brothers übergegangen. Allerdings hatte sich Fiat beim Verkauf ein Rückkaufrecht bis 2006 eingeräumt, das der Konzern nun genutzt hat.

Rückkauf mittels Bargeld

Fiat-Chef Marchionne hat nun am Wochenende wissen lassen, alle Anteile zurückgekauft zu haben. Der Rückkauf erfolgt mittels Bargeld. Einzig die fünf Prozent, die vom arabischen Emirat Abu Dhabi, der Mubadala Development Company, gehalten werden, sind nicht in den Fiat-Besitz gelangt. Weitere zehn Prozent der Ferrari-Anteile werden seit Jahren von der Gründerfamilie Ferrari kontrolliert.

Im ersten Halbjahr 2006 lieferte Ferrari mit 2749 Fahrzeugen rund fünf Prozent mehr aus als ein Jahr zuvor. Die Luxusmarke steigerte ihren Umsatz während dieser Zeit um fast 17 Prozent auf 706 Mio. Euro. Das operative Ergebnis verdoppelte Ferrari auf 64 Mio. Euro.

Der italienische Automarkt ist der drittgrößte Automarkt in Europa. Fiat hat auch im Ausland ehrgeizige Pläne. Vorgesehen ist, die Produktion in China von derzeit 40.000 Fahrzeugen auf 300.000 bis 2010 zu erhöhen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.10.2006)

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