"Größe allein macht nicht glücklich"

22. Oktober 2006, 19:03
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Audi-Finanzchef Rupert Stadler im STANDARD- Gespräch über das Image eines Super­sportwagens, das KTM-Auto und den Produktionsstandort Europa

STANDARD: Ihr Star auf dem Pariser Autosalon ist der Supersportwagen R8. Wozu braucht Audi einen 420-PS-Renner?

Stadler: Für die Marke.

STANDARD: Warum muss man sich heutzutage Image und Prestige über einen Supersportler und nicht - angesichts der Spritpreise - mit einem Sparauto holen?

Stadler: Sie müssen in der Topliga die Diskussion eröffnen. Dass Audi mit dem A3 auch ein Fahrzeug hat mit einem Verbrauch von 4,3 Liter auf 100 Kilometer, darüber reden wir gar nicht mehr groß.

STANDARD: KTM und Audi bauen ja gemeinsam auch einen Sportwagen. Wird sich der rechnen?

Stadler: Gibt's den schon?

STANDARD: KTM-Chef Stefan Pierer will ihn als Prototypen im kommenden März herzeigen.

Stadler: Da haben sich ein paar sehr engagierte Menschen zusammengesetzt. Ein bisschen Freiheit muss man Entwicklern schon geben. Sonst kommt keine Innovation zustande. Wir schauen uns das an, wenn es zur Entscheidung ansteht, dann werden wir darüber befinden, ob das was ist oder nicht.

STANDARD: Audi will erfolgreichster Premiumanbieter werden? Wonach messen Sie das?

Stadler: Das kann man nicht nur an einer Kennzahl festmachen. Wir wollen auf eine Größe von circa 1,4 Millionen Fahrzeugen pro Jahr wachsen, bis 2015. Wir werden das Produktportfolio deutlich ausweiten und neue Segmente eröffnen.

STANDARD: Wie sieht das aus?

Stadler: Wir waren im Vorjahr bei einer Umsatzrendite von 4,9 Prozent, wir werden die fünf Prozent heuer packen. 2008 wollen wir uns mit einer Million Fahrzeugen in Richtung sechs Prozent bewegen. Wir haben ja noch ein paar andere Aufgaben: Produktprogramm, Investitionen in die Marke und in neue Märkte.

STANDARD: Stichwort Kosten: Kann man die in Europa überhaupt noch weiter runterfahren?

Stadler: Sie müssen noch intensiver an den Produktkosten arbeiten. Das geht hauptsächlich über Materialpreise und die Zuliefererstruktur.

STANDARD: Da geht noch was?

Stadler: Da geht immer was. Es wäre ja fatal, wenn ein Finanzer sagen würde: Jetzt sind wir am Ende. Aber das ist ja nur eine Komponente. Wenn Sie am Standort Deutschland fertigen, haben Sie auch die Verpflichtung, dass man sich andere Produktivitäten angesichts des Wettbewerbs aus Japan und Korea erarbeitet. Das wissen unsere Mitarbeiter. Man muss die höheren Löhne durch Flexibilitäten ausgleichen. Wenn wir mittlerweile unseren A3 auch samstags fertigen, wird der Anlagenutzungsgrad ein besserer, wenn wir über 200, 300 Arbeitsstunden permanent mit dem Markt mitatmen können, dann ist das perfekt.

STANDARD: Inwiefern könnte Ihr Erfolg auch der Konzernmutter VW helfen?

Stadler: Bei uns gilt das Prinzip Open Books. Wir sind aber nicht der Oberlehrer.

STANDARD: Warum bauen Sie eigentlich nicht gleich den Golf?

Stadler: Wir haben den A3.

STANDARD: Der soll laut "Spiegel" nach Wolfsburg gehen, um die VW-Werke auszulasten.

Stadler: Des is a Schmarrn. Der wird nicht nach Wolfburg gehen.

STANDARD: Konkret gefragt, warum ist Audi dann besser als VW?

Stadler: Das liegt einerseits daran, dass die Stundenkosten bei knapp 40 Euro liegen, bei VW bei mehr als 50 Euro. Andererseits fahren wir sehr viele gemeinsame Programme, gerade im Produktivitätsbereich. Wir lernen voneinander.

STANDARD: Was sagen Sie zu der möglichen Megaallianz GM/Renault-Nissan?

Stadler: Größe allein macht nicht glücklich. Ich vermute bei derartigen Kooperationen vor allem kulturelle Probleme: Jeder wird das, was er bisher gemacht hat, zu bewahren versuchen. Ich sehe das also sehr entspannt. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.10.2006)

Zur Person
Der 1963 in Bayern geborene studierte Betriebswirt Rupert Stadler ist seit 2003 Mitglied des Vorstands der VW-Tochter Audi und seit damals auch verantwortlich für Finanzen und Organisation.
  • Audi-Finanzchef Rupert Stadler auf dem Pariser Autosalon vor dem Supersportwagen R8, der dem Image helfen soll.
    foto: audi ag/hülser

    Audi-Finanzchef Rupert Stadler auf dem Pariser Autosalon vor dem Supersportwagen R8, der dem Image helfen soll.

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