Rätsel um Röntgenanlage

25. Oktober 2006, 14:14
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Ein von den ÖBB um 3,45 Millionen Euro aus China angeschafftes "Railway Vehicle Inspection System" sorgt nun für Probleme

Um Schmuggelware aufzuspüren, hat die ÖBB 2005 in China eine Röntgenanlage zur Durchleuchtung ganzer Güterwagons geordert. Nun weiß niemand, wohin mit dem unfertigen Riesending um 3,45 Millionen Euro. Die ÖBB spricht von einem Forschungsprojekt.

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Wien - Für Rätselraten sorgt in der ÖBB derzeit ein Röntgengerät für Güterwagons. Das anlässlich einer China-Reise im Herbst 2004 ins Auge gefasste und letztlich am 24. November 2005 offiziell per Kaufvertrag georderte "Railway Vehicle Inspection System" samt Röntgen-Monitor soll helfen, in Güterzügen versteckte Schmuggelware aufzuspüren.

Noch ist das Gerät aus dem Hause Nuc-Tech, von dem derzeit niemand in der Bahn weiß, an welchem Grenzübergang es letztendlich zum Einsatz kommen wird, nicht in Österreich angekommen. Fix ist derzeit nur, dass das stationäre Gerät samt Ersatzteilen auf dem Seeweg nach Europa kommt und in Wels ausgeladen werden soll. Dort braucht es als Zwischenlager "einen Raum mit Klimaanlage, der nicht weniger als 20 Quadratmeter" Grundfläche haben darf, wie es im Vertrag, der dem Standard vorliegt, heißt.

Nervosität steigt

Die Nervosität steigt täglich, denn dieser Tage wird die erste Million der insgesamt 3,456 Millionen Euro Kaufpreis fällig. Sie muss laut Vertrag 30 Tage vor der Auslieferung des riesigen Wagonröntgenscanners überwiesen werden. Als Käufer tritt die ÖBB-Inrastruktur Betrieb AG auf. Deren Auftraggeber, der Anfang Juli in die ÖBB-Infrastruktur Bau AG abgewanderte Vorstand Alfred Zimmermann, bezeichnet den chinesischen Röntgenscanner als "Forschungsobjekt", an dem gemeinsam mit der Nuc, der Northern University of China, gearbeitet wird. Noch sei das Gerät nicht in Österreich, denn es müsse erst fertig entwickelt werden. Das soll im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogrammes Kiras erfolgen, das im Infrastrukturministerium angesiedelt ist.

Seitens der ÖBB damit beauftragt: Austrian Rail Construction & Consulting (ARCC), für die derzeit ein neuer Geschäftsführer gesucht wird. Der scheidende ARCC-Chef, Alexius Vogel, war für eine Stellungnahmen nicht erreichbar. Eingebunden ist in das Scanner-Projekt dem Vernehmen nach neuerdings auch das Forschungszentrum Seibersdorf.

"Vorreiter"

"Ohne Vor-Ort-Kontrolle wird der Scanner sicher nicht importiert und auch kein Geld überwiesen", versichert Zimmermann dem STANDARD. Von der Sinnhaftigkeit der Anschaffung des bis dato einzigen Röntgengeräts in ganz Europa ist Zimmermann nach wie vor überzeugt. Erstens sei Verkehrsinfrastruktur gefährdet, Ziel von Terroranschlägen zu sein, und zweitens nehme auch die illegale Einfuhr von Gütern zu. Mit dem Scanner habe Österreich die Chance, Vorreiter unter Europas Bahnen sein. Gerüchte, wonach das Großgerät wegen seiner Röntgenstrahlen nicht eingeführt werden dürfe, seien "ein Blödsinn". (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.10.2006)

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