Festverzinsliche Wertpapiere – Sicherheit vor Ertrag

2. Oktober 2006, 01:00
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Die Renditen für Staatsanleihen sind derzeit niedrig. Wem vor allem an hoher Sicherheit gelegen ist, der könnte trotzdem einem Staat Geld leihen

Heurigen Frühling erreichte das in österreichischen Investmentfonds veranlagte Kapital laut Nationalbank 138,9 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2006 zeigte sich eine kapitalgewichtete durchschnittliche Gesamtperformance aller Fonds von plus 1,4 Prozent. Während Anleger in Aktienfonds mit plus 7,6 Prozent kräftige Kursgewinne verbuchen konnten, waren Rentenfonds durch steigende Zinsen mit 1,0 Prozent leicht im Minus.

Einem Staat Geld zu leihen bringt nicht unbedingt viel Geld. Schon gar nicht, einem Staat mit solidem Haushalt wie Österreich, Deutschland oder Frankreich. Erstklassige Anleihen aus Industrienationen – beurteilt wird von verschiedenen Rating-Agenturen, die regelmäßig die Zahlungsfähigkeit von Staaten und Unternehmen bewerten - wie den genannten, versprechen dafür hohe Sicherheit. Österreich ist durch die Integration in den EURO-Raum und die Verbesserung der Bonität inzwischen fast genauso gut bewertet wie Deutschland. Das große Geld machen Anleger hier nicht. Wer auf Nummer Sicher gehen will, legt sich eine zweijährige heimische Anleihe mit einer Rendite von 3,5 Prozent zu. Wer sich auf zehn Jahre bindet, bringt es auf 3,71 Prozent und 21 Jahre schlagen mit 3,92 Prozent zu Buche.

Fixer Betrag auf eine festgelegte Laufzeit

"Die Motivation ist, dass eine Staatsanleihe in der Regel für eine bestimmte Laufzeit einen fixen Vertrag abwirft" sagt Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank: "Der große Vorteil, die Verzinsung und die Rückzahlung des eingezahlten Kapitals sind garantiert." Wer allerdings einrechnet, dass nicht nur die Fondsgesellschaft ihre Spesen verrechnet (Ausgabeaufschlag, laufender Verwaltungs- und Managementaufwand), die Hausbank Gebühren kassiert und 25 Prozent des Ertrags als Kapitalertragssteuer an den Finanzminister fließen, der könnte von seinem Sicherheitsbedürfnis etwas Abstand nehmen.

"Man muss sich halt klar sein, dass wenn hohe Erträge winken, das ein Spiegelbild einer schlechten Bonität ist. Wenn etwa die Verzinsung höher ist als acht oder neun Prozent. Ein höherer Zinssatz ist ein Anreiz trotzdem zu investieren", sagt Brezinschek. "Die Renditen sind derzeit relativ niedrig für Staatsanleihen. Allerdings bewegen sich auch Spreads von Unternehmensanleihen auf sehr niedrigem Niveau (kaum Renditeaufschlag für höheres Risiko). Es fehlen also wirkliche Alternativen, um bei überschaubarem Risiko mehr Rendite zu erzielen" ergänzt Stefan Wolpert, Leiter Rentenfondsmanagement bei AXA Investment Managers Deutschland.

Über die Grenzen schauen

Wer mit den 3,5 Prozent oder etwas mehr nicht zufrieden ist, der kann sein Geld auch in hoch verzinsliche Staatsanleihen aus Schwellenländern stecken. Die Papiere, auch High Yields oder Junk-Bonds (Schrottanleihen) genannt, bringen es durchaus auf acht bis neun Prozent - bei entsprechendem Risiko. Ende 2001, als sich Argentinien für zahlungsunfähig erklärte verloren etwa deutsche Sparer, die in das südamerikanische Land investierten, bis zu 70 Prozent. "Wir haben Argentinien damals zum Verkauf empfohlen. Aber es gab ja auch bei Ecuador oder Ukraine Umschuldungsvergaben. Das hat aber nur ausländische Anleger betroffen. 98,9 bis 99 Prozent verlaufen unkompliziert", beruhigt RZB-Analyst Brezinschek.

Grundsätzlich emphielt sich bei der Geldanlage in Staatsanleihen aus Schwellenländern derselbe Grundsatz wie bei allen anderen Anlageformen: Nicht das gesamte Kapital auf ein Papier oder ein Land setzen. Bei Staatsanleihen mit besonders hohen Zinsen kann ein Staatsbankrott nicht ausgeschlossen werden. Wer das Risiko kleiner halten möchte, ist mit Fonds besser beraten, weil sie in Anleihen aus mehreren Staaten investieren.

Euroland

"In Euroland bieten griechische und italienische Staatsanleihen attraktive Spreads" empfiehlt Axa IM-Mann Wolpert den Blick über die Grenzen: "Aus Bonitätsgründen gibt es in Euroland unmittelbar keine gefährdeten Länder. Für Italien gibt es Diskussionen um eine Herabstufung. Allerdings ist deshalb auch der Zinsaufschlag gegenüber Bundesanleihen größer", so Wolpert. Etwas mehr Risiko einzugehen, als mit den genannten "Hochsicherheitsanleihen" lohnt sich laut Peter Brenzischek in Ländern, die Anleihen in Euro emittieren, etwa Rumänien, oder Türkei: "Da habe ich maximal 0,6 Prozent mehr als bei fünf- bis sechsjährigen Anleihen. Rumänien hat etwa ein BBB-Rating."

Werden Staatsanleihen in einer Fremdwährung erworben, so müssen zusätzlich zur Rendite und zum Ausfallsrisiko auch noch die Währungsrisiken (und Währungschancen) beachtet werden. In Phasen niedriger Verzinsung so der Rat von Brezinschek empfiehlt es sich, kurzfristig anzulegen, um sich nicht im Zinssatz einzusperren. (Regina Bruckner)

Wissen: Die Rendite einer Staatsanleihe verändert sich parallel mit dem Zinsniveau am Kapitalmarkt. Steigen dort die Zinsen, sinkt der Kurs einer Anleihe. Umgekehrt ziehen fallende Zinsen einen höheren Anleihekurs nach sich. Eine Kursveränderung beeinflusst zusammen mit dem feststehenden Kuponzins die Gesamtrendite des Wertpapiers. Für denjenigen, der sein Geld in Staatsanleihen investieren will, ist also die künftige allgemeine Zinsentwicklung am Kapitalmarkt das wichtigste Kriterium bei einer Entscheidung für oder gegen den Kauf. Das Zinsniveau hängt vor allem von der erwarteten Inflation ab.
  • Staatsanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, mit denen die Länder ihre Kredite finanzieren. Wer sie kauft, wird Gläubiger eines Staates zu festgelegten Bedingungen.
    foto: epa/crowhurst

    Staatsanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, mit denen die Länder ihre Kredite finanzieren. Wer sie kauft, wird Gläubiger eines Staates zu festgelegten Bedingungen.

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