Skoceks Zeitlupe: Das nächste Mal

11. Oktober 2006, 14:29
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Wahrscheinlich wird nie geklärt,was Frank Stronach wirklich an der Austria interessierte oder Didi Mateschitz an Austria Salzburg

Das Witzige ist, dass Palaverfelder wie ein Wahlkampf oder die Fußballmeisterschaft manchmal echt glauben machen, es ist ernst. Wahrscheinlich müssen die Kicker in der Kabine oder die Kandidaten in der Kantine oft schmunzeln über die Draußen, die sich sorgen, wie die Austria das Budget aufstellt oder warum die Jugendarbeitslosigkeit und die Schülerzahlen in den Klassen steigen.

Das Beruhigende ist, dass viele Fragen gar nicht gestellt werden, schon gar nicht in den medialen Auseinandersetzungen. Wahrscheinlich wird nie geklärt,was Frank Stronach wirklich an der Austria interessierte oder Didi Mateschitz an Austria Salzburg oder was die Bankiersfreunde am Autohändlersohn KHG suchen und finden.

Das Schöne am Wahlkampf ist sein Vorbeisein und die demokratische Grundgewissheit, das Staatsganze ruhe auf einem soliden Fundament von Tabus. Die Finanzierung der Besten der Besten etwa, von den Parteien bis zu den Spitzensportlern. Das Spannende an der EURO 2008 ist die Vorführung Österreichs als Unternehmung, als das Land ohne Grenzen zwischen Privat und Staat.

Der ÖFB-Präsident ist Marketingchef der (quasi) staatlichen Casinos, der Chef des Sportdachverbandes ist ein Ex- Minister (SP), die Innenministerin (VP) präsidiert der Sportunion, mit Chancen auf den ÖOC-Chefsessel.

An Austrias Geldhahn Stronach hingen Karrieristen wie Mathias Reichhold (Asfinag), Peter Westenthaler (BZÖ), Karl-Heinz Grasser (KHG), Andreas Rudas (Mediaprint). Der Staat hat die EM-Stadien beschert und kümmert sich ums Rahmenprogramm. Es kann nichts schief gehen, Wahlen? Wurscht. Österreich ist längst Europameister im eigenen Land. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 2.10. 2006)

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