"Ausgezeichnete" Fonds - Rating und Ranking

2. Oktober 2006, 01:01
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Um aus der Vielzahl der angebotenen Fonds die Rosinen zu picken, gibt es Orientierungshilfen. Bei ihrem Einsatz ist Vorsicht geboten.

Wien - Der Konkurrenzkampf in der heimischen Fondsindustrie ist hart. Während vor sieben Jahren noch 33 ausländische Fondsgesellschaften um Marktanteile in österreichischen Dachfonds kämpften, sind es 2006 bereits 91. Die Zahl der von ausländischen Anbietern in Österreich offerierten Fonds stieg von 1673 auf fast 4000. Dazu kommen über 2.100 Papiere von heimischen Anbietern. Ein reichhaltiges Angebot, dass vermutlich für jeden das Richtige bereit hält. Wenn man es denn findet.

Ob der Vielzahl des Gebotenen ist es mehr als schwierig die Rosinen aus dem Kuchen zu picken und dabei nicht den Überblick zu verlieren. Um Abhilfe zu schaffen, wurden Orientierungshilfen, vergleichbar den Sternen des Michelin für Feinschmecker, erfunden. Eine Möglichkeit, sich zu orientieren sind etwa Ratings. Vergeben werden sie von entsprechende Agenturen wie Standard & Poor's, Feri Trust oder Morningstar.

Rating und Ranking

Doch was bedeutet eigentlich ein "AA" oder ein "A" hier und ein Sternchen da? Was sagen die Ratings aus, wer bezahlt sie und für wen sind sie eigentlich gedacht? Wichtig ist im ersten Schritt eine Definition des Begriffs Rating. "Die Begriffe Rating und Ranking werden oft synonym verwendet", sagt Regina Parhammer Aktienfonds-Managerin bei Volksbanken KAG: "Folgt man jedoch den Definitionen von Standard & Poors, die sowohl Fondsratings als auch Fondsrankings anbieten, versteht man unter Rating eine qualitative und quantitative Beurteilung des Fonds, des Investmentansatzes und der Managementgruppe. Bei anderen Anbietern wie z.b. Morningstar wird hingegen die rein quantitative Analyse des Fonds auch als ‚Rating’ bezeichnet. Ratings haben also im Unterschied zu Rankings Prognosecharakter. Neben quantifizierbaren spielen auch qualifizierbare Kriterien ein Rolle, zum Beispiel das Können des Fondsmanagers und der Prozess der Aktienauswahl."

Bei Standard&Poors erhält ein Rating nur, wer sich zu den besten 20 Prozent seiner Vergleichsgruppe zählen kann. Die Bewertung verläuft zwischen AAA und A (nach unten). Bei Morningstar werden jene Fonds bewertet, die länger als drei Jahre am Markt sind. Vergeben werden fünf Sterne. Ein Fünf-Sterne-Fonds gehört zu den besten 10 Prozent in Europa, ein Ein-Sterne-Fonds zu den schlechtesten 10 Prozent seiner Gruppe.

Kostenpflichtig

"Ratings sind kostenpflichtig und entsprechend sind etliche Fonds gar nicht geratet. Aus meiner Sicht ist ein Rating somit kein geeignetes Mittel um sich einen Überblick in der Welt der Investmentfonds zu verschaffen bzw. hier den Überblick zu behalten" ergänzt Parhammer. Geratete Fonds – führt sie ins Treffen - bilden ja nur einen Teil des gesamten Fondsuniversums ab. "Somit auch kein geeignetes Mittel den besten Fonds für das eigene Portfolio herauszufiltern, weil man sich um die Möglichkeit bringt, einen guten Fonds – jedoch ohne Rating – ins Portfolio zu nehmen", lautet ihre Einschätzung. Zudem werden – wer will es verübeln – schlechte Ratings von den Auftraggebern (den Fondsgesellschaften) nicht immer veröffentlicht.

Was fange ich im Unterschied dazu mit einem Ranking an? "Folgt man den Definitionen von Standard&Poors, versteht man unter dem Ranking eine rein quantitative Fondsanalyse (als Ergebnis erhält man in diesem Fall die Anzahl der S&P Sterne)", so Parhammer, also das was etwa Morningstar als "Rating" bezeichnet. Diese Art der Fondsbeurteilung ist in der Regel auf der Homepage der einzelnen Anbieter abzufragen und dementsprechend interessierten Personen zugänglich. Rankings bilden die historische Wertentwicklung ab und berücksichtigen zum Teil auch die historische Volatilität, also die Schwankungen der Fondspreise.

Der Vergleich macht sicher

Die Platzierung eines Fonds hängt nicht nur von der Performance ab, sondern natürlich auch davon, womit er verglichen wird. So könnte etwa ein Fonds mit heimischen Aktien vielleicht im Vergleich zu anderen Anlageprodukten mit diesen Titeln sehr gut abschneiden. Auf einer Rangliste der besten Aktienfonds weltweit scheint er möglicherweise gar nicht auf.

Dietmar Rupar, Generalsekretär der Vereinigung heimischer Investmentgesellschaften kritisiert "dass Ratingkriterien oftmals intransparent sind". In Deutschland ist man da schon weiter. Dort hat die Interessensvertretung (BVI) 2004 einen diesbezüglichen Verhaltenskodex erarbeitet.

"Ratings könnten als Hilfsmittel gesehen werden, sich ein Bild über einen einzelnen Fonds zu machen" will Regina Parhammer die Bewertung nicht ganz in Frage stellen. Genützt würden sie – wenn überhaupt – sowieso eher von institutionellen Anlegern. Privatkunden könnte man vielleicht mit auf den Weg geben, eine Auszeichnung durch ein Rating beim Einkauf nur als eines von vielen Kriterien zu Rate ziehen. (Regina Bruckner)

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    Was bedeutet ein "AA" oder ein "A" hier und ein Sternchen da? Die Anbieter verstehen unter Rating nicht dasselbe.

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