SPÖ-Gusenbauer: "Am Ende siegt die Gerechtigkeit"

2. Oktober 2006, 16:15
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Anhänger begrüßen Parteichef mit "Bundeskanzler"-Rufen - Michael Häupl: "Irgendwie wird man regieren müssen"

Wien - SP-Chef Alfred Gusenbauer hat am späten Sonntagnachmittag angekündigt, bei Platz eins seiner Partei den Kanzleranspruch zu stellen: "Sie kennen meine Meinung, die stärkste Partei soll in Österreich den Bundeskanzler stellen", sagte Gusenbauer bei Eintreffen vor der SP-Zentrale. Allerdings müsse man erst das endgültige Ergebnis abwarten: "Ich will den Tag nicht vor dem Abend loben."

Mit dem Ergebnis ist Gusenbauer naturgemäß "sehr zufrieden". Er führt den voraussichtlichen Wahlsieg seiner Partei auf den Wunsch der Österreicher nach Veränderung zurück und darauf, dass man mit dem Thema gerechte Pensionen und bessere Bildung habe punkten können. Auf mögliche Koalitionsvarianten wollte sich der Parteichef nicht einlassen: "Ich glauben wir verwenden den heutigen Tag dazu, uns über das Ergebnis zu freuen."

Von seinen Anhängern wurde Gusenbauer mit "Bundeskanzler, Bundeskanzler"-Rufen empfangen. In das mit SP-Anhängern gut gefüllte Festzelt vor der Parteizentrale zog Gusenbauer bereits mit dem Lächeln eines strahlenden Wahlsiegers ein. Als er die Bühne betrat, wurde hinter ihm bereits ein Plakat mit der Aufschrift: "Dr. Alfred Gusenbauer Bundeskanzler der Republik Österreich" hochgehalten.

"Sieg der Gerechtigkeit"

"Es sieht so aus, wie wenn das Wahlresultat heute ein gutes wäre", begrüßte Gusenbauer am späten Sonntagnachmittag seine jubelnde Anhängerschaft im Festzelt der SPÖ zwischen Parteizentrale und Burgtheater. In seiner kurzen Ansprache sparte der voraussichtliche Wahlsieger nicht mit Pathos: "Es ist heute einer jener Tage, wo ich den Eindruck habe: am Ende siegt die Gerechtigkeit".

Von seinen Fans wurde die kurze Ansprache des SP-Chefs mit "Gusi, Gusi"-Rufen begleitet. Gusenbauer sichtlich ergriffen: "Ich gestehe, dass ich gerührt bin." Das Wahlergebnis bezeichnete Gusenbauer als Zeichen, dass die Österreicher wieder mehr "Fairness" möchten: "Sie wollen nicht, dass die Politik zynisch und verachtend ist." Daher hätten sie ihre Hoffnungen in die SPÖ gesetzt: "Wir wollen die Hoffnungen nicht enttäuschen", appellierte Gusenbauer.

Den SP-Sympathisanten und Funktionären im Festzelt empfahl Gusenbauer, das Ergebnis jetzt einmal ausführlich zu feiern. Er selbst habe noch ein paar Verpflichtungen zu erledigen, so der Parteichef, der um 19.00 Uhr zur Runde der Spitzenkandidaten ins Innenministerium musste, "aber sobald die absolviert sind, komme ich zurück".

Häupl "unendlich glücklich"

Der Wiener Bürgermeister und SPÖ-Obmann Michael Häupl ist am Sonntagabend unter dem Beifall seiner Anhänger im Wahlzentrum im Wiener Rathaus eingetroffen. Er sei "unendlich glücklich" darüber, dass die SPÖ stimmenstärkste Partei sei, sagte er - und ließ sich von den anwesenden Fotografen in Jubelpose ablichten.

"Ich bin zufrieden, sehr zufrieden, das ist wunderbar", so Häupl. Der Wiener Bürgermeister wurde von Frauenstadträtin Sonja Wehsely (S) umarmt, von Gesundheitsstadträtin Renate Brauner geküsst und bekam auch von Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl seine Streicheleinheiten.

"Ich habe immer gehofft, dass die SPÖ stimmenstärkste Partei wird. Jetzt sind wir es, und das ist ein großartige Sache", so Häupl. Von Journalisten darauf angesprochen, dass nun wohl nur die ÖVP als Koalitionspartner in Frage komme, sagte der Bürgermeister: "Irgendwie wird man regieren müssen."

Voves: Regierung abgewählt

Der steirische Landeshauptmann und SPÖ-Chef Franz Voves zeigte sich am Sonntagabend unter dem Jubel seiner Anhänger im neuen Parteihaus in Graz Eggenberg glücklich über das Ergebnis der ersten Hochrechnung: "Die Regierung ist eindeutig abgewählt", nun stelle sich die Frage, welche Koalition sich ergeben werde, sagte Voves, der zuletzt immer eine Große Koalition präferiert hatte. Die österreichische Bevölkerung habe sich als "resistent gegen die Regierungspropaganda" erwiesen.

Er habe mit dem Ergebnis nicht gerechnet, sagte der Landeshauptmann, der unter dem Druck gestanden war, das gute Landtagswahlergebnis zu bestätigen. Mitte September hatte Voves noch gesagt, er wäre schon froh, in der Steiermark den Abstand zwischen ÖVP und SPÖ von der Nationalratswahl 2002 verringern zu können. Nun dürfte die SPÖ knapp in Steiermark die Nase vorne haben. "Es ist nicht gelungen, die Steiermark zurück zu erobern", sagte Voves in Richtung ÖVP: "Die müssen mit uns nun gemeinsam im Boot sein". (APA)

  • Freude im Hause Gusenbauer
    foto: robert newald

    Freude im Hause Gusenbauer

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    Die Große Koalition mit der ÖVP stößt bei den SP-Fans offenbar nicht gerade auf ungeteilte Begeisterung: Hatte man vorher noch Schilder mit Slogans wie "Gusenbauer, weil er Wort hält" hochgehalten, gab es am Abend nur noch einen Spruch zu sehen: "Keine Koalition mit ÖVP" hatten mehrere SP-Sympathisanten mit Lackstift auf ihre Plakate geschrieben.

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