ÖVP-Khol: "Mein Amt ist weg"

1. Oktober 2006, 19:57
138 Postings

Van Staa: "Regieren wird immer schwieriger" - Leitl: Offenbar Stimmen zurück an die FPÖ geflossen

Wien - ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka sprach in einer ersten Reaktion im ORF-Fernsehen von einem "herben Verlust" für die Volkspartei, auch wenn das Endergebnis noch nicht feststehe. Jedenfalls sei der Ausgang "unerwartet" gewesen. Ob er zurücktreten werde, wollte er nicht beantworten. "Wir werden uns anschauen, wo uns Fehler passiert sind und dann gemeinsam zu Lösungen kommen".

Kopf-an-Kopf-Rennen

Lopatka machte drei Gründe für die Verluste namentlich: "Es war klar, dass wir das einzigartige Ergebnis von 2002 nicht mehr erreichen können, dann ist die Wahlbeteiligung deutlich zurückgegangen und man hat zuletzt von einem Kopf-an-Kopf-Rennen gesprochen, das man uns aber nicht geglaubt hat. Alle sind davon ausgegangen, dass die ÖVP vorne liegt.

Lopatka sieht auf Bundespräsident Heinz Fischer "keine leichte Aufgabe" bei der Beauftragung für eine Regierungsbildung zukommen, wie er bei der ÖVP-Zentrale vor Journalisten sagte. Seiner Meinung nach solle jener der Regierung vorstehen, der die Mehrheit im Parlament habe.

Khol: "Mein Amt ist weg"

Nationalratspräsident Andreas Khol zeigte sich angesichts des sich abzeichnenden Wahlausgangs zerknirscht. "Für mich persönlich ist es eine Enttäuschung", sagte er vor Journalisten bei der ÖVP-Wahlfeier. "Mein Amt ist weg", sagte Khol knapp.

Ob die ÖVP als Juniorpartner in eine Große Koalition gehen solle, könne man jetzt noch nicht beantworten: "Das sind alles Fragen, die man nicht aus den Ärmel schütteln kann." Ebenso ließ er offen, ob er auch als Zweiter Nationalratspräsident fungieren werde.

Dass immerhin drei Parteien mit Protestwählerpotenzial angetreten seien, habe natürlich den Wettbewerb vergrößert und Akzente verschoben, so Khol. Was ihn persönlich störe sei, dass es gelungen sei "das Land durch die Bank krankzujammern". Zudem sei es in vielen Konfrontationen zu einem vier gegen einen gekommen. "Das hat natürlich einen Effekt", sagte Khol.

Gehrer: "Enttäuschendes Ergebnis"

Wenig erfreut zeigte sich auch Bildungsministerin Elisabeth Gehrer über den vorläufigen Ausgang der Wahl für die ÖVP. Für sie sei das ein "enttäuschendes Ergebnis". Aber man müsse das zur Kenntnis nehmen. Angesprochen auf mögliche personelle Konsequenzen, meinte sie, dass man noch die Wahlkartenauszählung abwarten müsse und alles weitere in den Gremien besprechen werde.

Zu allfälligen Koalitionsformationen wollte sie nichts sagen, verwies aber darauf, dass man noch abwarten müsse, wie es mit dem BZÖ ausschaue. Der Parteivorstand soll am Montag um 17.00 Uhr zusammentreten.

Molterer enttäuscht

Enttäuscht zeigte sich ÖVP-Klubobmann Wilhelm Molterer über den Ausgang der Nationalratswahl: "Es ist ein herber Verlust, das ist keine Frage", sagte Molterer kurz vor 18.00 Uhr vor Journalisten. "Was wir bei den vergangenen Wahlen gewonnen haben, ist zur Hälfte verloren gegangen." Als Ursache nannte er, dass es den Mitbewerbern gelungen sei, mit "negative Campaigning" das Positive zu übertönen.

Prinzipiell zeigte sich Molterer bereit, im Falle einer Großen Koalition auch als kleiner Partner zu fungieren. Die Verantwortung liege bei SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, "eine Volkspartei ist immer bereit für eine Arbeit für Österreich", sagte er. Das Endergebnis sei abzuwarten. Auf die Frage, wie sich jetzt die Politik der ÖVP entwickeln werde, meinte er, an den Sachthemen, die man im Wahlkampf präsentiert habe, komme man nicht vorbei. Die ÖVP werde den positiven Weg fortsetzen.

Sausgruber: "Herber Verlust"

Als einen "herben Verlust" bezeichnete Landeshauptmann Herbert Sausgruber (V) in einer ersten Reaktion das Wahlergebnis für die Volkspartei in Vorarlberg. Das Minus von über sieben Prozentpunkten sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass der ÖVP im Ländle die volle Mobilisierung im eigenen Bereich nicht gelungen sei, ein Indiz dafür könnte auch die deutlich verringerte Wahlbeteiligung sein.

Pühringer: "Habe mich schon besser gefühlt"

Der oberösterreichische ÖVP-Landesparteichef Landeshauptmann Josef Pühringer hat am späten Sonntagnachmittag in einer ersten Reaktion "überrascht" und mit einer "gewissen Enttäuschung" reagiert. "Ich habe mich schon besser gefühlt", sagte er. Die Hoffnung sterbe jedoch zuletzt, man müsse den morgigen Montag abwarten, so Pühringer. In Oberösterreich sei "noch alles offen".

Leitl: Offenbar Stimmen zurück an die FPÖ

Nach wie vor optimistisch zeigte sich kurz vor 17.00 Uhr Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, als er sich in der ÖVP-Zentrale in der Lichtenfelsgasse einfand. "Alles ist offen", meinte er und verwies darauf, dass man zuerst das Wiener Wahlergebnis abwarten müsse, das seines Wissens nach noch nicht in die Hochrechnungen eingeschlossen sei: "Wien ist anders, könnte hier auch anders werden", so Leitl.

Der Grund für die bisher bekannt gewordenen Verluste der ÖVP begründete er folgendermaßen: Es habe bei der letzten Wahl zahlreiche FPÖ-Wähler gegeben, die ÖVP gewählt hätten, "die scheinen jetzt wieder zurückzufließen".

Van Staa: "Regieren wird immer schwieriger"

Der Tiroler VP-Chef, Landeshauptmann Herwig van Staa, hat das Abschneiden seiner Partei in einer ersten Reaktion als "nicht erfreulich" bezeichnet. Regieren werde in Europa "immer schwieriger", sagte Van Staa.

Umweltminister Josef Pröll wollte die Hochrechnungen vorerst noch nicht kommentieren: "Wir warten auf das Endergebnis", sagte er. Er glaube daran, dass man es mit den Wahlkarten noch schaffen könne.

Schwarzer Tag für Martinz

Für den Kärntner ÖVP-Chef Josef Martinz war es ein schwarzer Wahlsonntag. In seiner Heimatgemeinde Ossiach im Bezirk Feldkirchen büßte die ÖVP 8,9 Prozentpunkte ein und kam nur noch auf 32,5 Prozent (2002: 41,4). Das BZÖ blieb mit 31,8 Prozent der Stimmen nur hauchdünn dahinter. Die SPÖ verlor 2,6 Prozentpunkte und erzielte 22,6 Prozent. Die FPÖ blieb mit 4,8 Prozent gerade noch vor den Grünen (3,9).

Zum Teil enorme Gewinne machte das freiheitliche Lager in Kärnten. Ein Beispiel dafür ist die Gemeinde Eberstein (Bezirk St. Veit/Glan) im heiß umkämpften Wahlkreis Ost. Hier lag 2002 die damals noch geeinte FPÖ bei 32,1 Prozent. Diesmal erzielte das BZÖ 34,1 Prozent und auch die FPÖ brachte es immerhin noch auf acht Prozent. Zusammen macht das 42,1 Prozent für das "dritte Lager". (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Lopatka: "Alle sind davon ausgegangen, dass die ÖVP vorne liegt."

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wolfgang Schüssel nach der Stimmabgabe.

Share if you care.