Royal will Präsidentin werden

3. Oktober 2006, 15:20
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Auch Ex-Premier Fabius will für Elysée-Palast kandidieren - Der Sozialist situiert sich als "klarer Linkskandidat"

Paris - Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten ist am Wochenende offiziell eröffnet worden. Als Favoritin galt Ex-Familienministerin Segolene Royal, die bereits am Freitagabend ihre Bewerbung ankündigte. Parteichef Francois Hollande hingegen erklärte mit Verweis auf das große Bewerberfeld seinen Verzicht. Neben Royal hat auch der frühere Finanzminister Dominique Strauss-Kahn seinen Hut in den Ring geworfen, am Sonntag reichte schließlich auch Expremier Laurent Fabius seine Kandidatur ein.

Abstimmung innerhalb der Partei

Mit Segolene Royal hat die aussichtsreichste Anwärterin der französischen Sozialisten auf das Präsidentenamt ihre Kandidatur angekündigt. "Ja, ich akzeptiere die Aufgabe", sagte die 53-Jährige am Freitagabend im südfranzösischen Vitrolles. Als erstes wolle sie sich nun den Sozialisten zur Abstimmung stellen. Nach der parteiinternen Abstimmung wolle sie das Vertrauen aller Franzosen bei den Wahlen im April 2007 gewinnen. Für Montag oder Dienstag wurde außerdem die Erklärung des früheren Kulturministers Jack Lang erwartet. Royal wird ihre offizielle Bewerbung nach Angaben ihres Sprechers wahrscheinlich am Dienstag einreichen. Die Frist für die offizielle Registrierung bei der Parteizentrale läuft am Dienstag um 15.00 Uhr ab.

Jospin zog Kandidatur zurück

Der frühere Premierminister Lionel Jospin hatte sich am Donnerstag überraschend aus dem parteiinternen Rennen zurückgezogen; er hatte nach Royal als aussichtsreichster Bewerber gegolten. Der Sozialistenchef und Lebensgefährte von Royal, Francois Hollande, will dagegen nicht als zusätzlicher Kandidat antreten, wie er der Zeitung "Dauphine libere" sagte.

Die rund 200.000 PS-Mitglieder werden am 16. November entscheiden, wer für sie gegen den voraussichtlichen Kandidaten der konservativen Regierungspartei UMP, Innenminister Nicolas Sarkozy, antreten wird. Auf einem Parteitag der Sozialisten soll die Kandidatur dann am 26. November offiziell beschlossen werden.

Die 53-jährige Royal ist seit 2004 Präsidentin der 1,6 Millionen Einwohner zählenden Region Poitou-Charentes im Westen des Landes. Sie wurde am 22. September 1953 im Senegal als Tochter eines Armeeoffiziers geboren. Seit Ende der 70er Jahre ist sie Lebensgefährtin von Hollande, den sie nach einem Politikstudium auf der Verwaltungshochschule ENA kennenlernte. Die beiden haben vier Kinder. Ihre Karriere begann Royal Anfang der 80er Jahre als Beraterin des damaligen sozialistischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand. 1992 bis 1993 war sie Umweltministerin und von 1997 bis 2000 Beigeordnete Ministerin für das Schulwesen. Bis zur Abwahl der sozialistischen Regierung im Jahr 2002 übernahm sie dann als Beigeordnete Ministerin den Bereich Familie und Kinder.

Anbindung an die Partei

In der Vorbereitung ihrer Kampagne verzichtete Royal bewusst auf eine enge Anbindung an die Partei. Seit rund einem Jahr erzielte sie in Umfragen aber regelmäßig die höchsten Werte unter möglichen sozialistischen Kandidaten - zuletzt mehr als 50 Prozent Zustimmung bei Anhängern der Partei.

Auf Royals Bewerbung fiel zuletzt ein Schatten. Ihr Bruder soll Medienberichten zufolge an dem Anschlag auf das Greenpeace-Schiff "Rainbow Warrior" 1985 in Neuseeland beteiligt gewesen sein. Royals jüngerer Bruder sagte der französischen Tageszeitung "Le Parisien" (Freitagsausgabe), sein Bruder Gérard habe ihm gegenüber geäußert, die Bombe auf das Schiff gebracht zu haben. Die "Rainbow Warrior" der Umweltschutzorganisation Greenpeace war nach dem Anschlag französischer Geheimdienstagenten gesunken. Dabei war ein Mensch getötet worden. (APA/AP)

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    Die beiden KandidatInnen Royal und Fabius

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