Amsterdam stoppt Teilprivatisierung von Flughafen Schiphol

19. Oktober 2006, 19:17
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Stadt befürchtet Bedeutungsverlust

Amsterdam - Die Stadt Amsterdam hat mit einem Veto die Teilprivatisierung des Flughafens Schiphol gestoppt. Die Entscheidung fiel am Samstag wie erwartet bei einer außerordentlichen Aktionärsversammlung des Flughafenbetreibers Schiphol Group, an dem Amsterdam 21,8 Prozent hält.

Die Stadt befürchtet, dass Schiphol nach einer Privatisierung seine Bedeutung als zentrale Drehscheibe im Flugverkehr verlieren könnte. Vertreter der Schiphol Group sehen dagegen nach der Entscheidung die Wettbewerbsposition Schiphols auch gegenüber dem Flughafen Frankfurt geschwächt.

"Gegen die Interessen des Unternehmens"

"Das geht völlig gegen die Interessen des Unternehmens", sagte der Chef des Flughafenbetreibers, Peter-Jan Kalff. Schiphols Konkurrenten wie der Flughafen Frankfurt seien längst privatisiert und profitierten so ausgiebig vom Zugang zu den Kapitalmärkten. Zudem bleibe Schiphols Funktion als Drehscheibe Grundlage der Geschäftsstrategie, betonte Kalff.

"Zurzeit ist Schiphol viel zu wertvoll, um ihn an die Börse zu bringen", sagte dagegen Lodewijk Asscher, Vertreter der Stadt Amsterdam, der Nachrichtenagentur ANP. Die Privatisierung war von der christdemokratischen Regierung angestoßen worden. Die Niederlande sind mit 75,8 Prozent Hauptanteilseigner des Flughafenbetreibers. Die übrigen 2,4 Prozent liegen bei der Stadt Rotterdam. Finanzminister Gerrit Zalm hatte kürzlich angekündigt, ein Veto Amsterdams aufheben zu lassen. Das Parlament hatte zuvor ein Gesetz erlassen, das den Verkauf von unter 50 Prozent der Schiphol Group ermöglicht.

Gerichtsverfahren

Die nun gestoppte Teilprivatisierung könnte dem Finanzministerium zufolge ein Gerichtsverfahren nach sich ziehen und so den geplanten Teil-Börsengang der Betreibergruppe möglicherweise bis nach den Wahlen im November verzögern. Bei einem Wahlsieg der Opposition, die gegen eine Teilprivatisierung ist, könnte das Vorhaben dann aber auch ganz gestoppt werden. (APA/Reuters)

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