Ostdeutsche Metallindustrie boomt

2. Oktober 2006, 09:10
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8.800 neue Jobs in den letzten zwölf Monaten - Umsätze in zehn Jahren verdoppelt - Entwicklung aber regional unterschiedlich

Frankfurt/Main - Die ostdeutsche Metall- und Elektroindustrie boomt: Allein in den vergangenen zwölf Monaten wurden nach Angaben des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall rund 8.800 neue Jobs geschaffen worden. Das entspreche einer Steigerungsrate von 2,4 Prozent. In den alten Ländern sei hingegen im gleichen Zeitraum die Beschäftigtenzahl erneut um 3.300 geschrumpft. Nach Angaben der Metallergewerkschaft (IG Metall) hat die Branche in den ostdeutschen Bundesländern in den vergangenen zehn Jahren ihre Umsätze verdoppelt und die Zahl der Arbeitsplätze um ein Fünftel auf 370.000 gesteigert.

Konjunkturanalyse

Allerdings entwickelte sich die Wirtschaftsleistung regional sehr unterschiedlich, wie die Gewerkschaft in einer am Sonntag in Frankfurt am Main veröffentlichten Konjunkturanalyse berichtete. Demnach schwankte der Umsatzanstieg im ersten Halbjahr 2006 zwischen 25 Prozent in Sachsen und lediglich fünf Prozent in Berlin. Der Industriestandort Berlin sei ein besonderer Schwachpunkt im Aufbau Ost, sagte das geschäftsführende IG-Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Rhode. Die Auseinandersetzung um den Erhalt der Bosch-Siemens-Hausgerätewerke in Berlin-Spandau und in Nauen mache die Defizite besonders deutlich.

Wochenarbeitszeit

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser führte in der "Chemnitzer Freien Presse" die insgesamt gute Entwicklung der Branche in Ostdeutschland auf hohe Flexibilität und Leistungsbereitschaft der Belegschaft zurück. Eine wichtige Rolle spiele aber auch die drei Stunden längere Wochenarbeitszeit, wodurch die Stückkosten geringer ausfielen als in den alten Ländern. Viele Unternehmen hätten außerdem in den neuen Ländern nach 16 Jahren ihre eigene Absatznische gefunden und seien nicht mehr nur verlängerte Werkbank des Westens, sagte der Arbeitgeberchef.

Wachstumsmotor

Laut IG Metall haben Sachsen und Thüringen inzwischen annähernd die Industriedichte von Niedersachsen und Schleswig-Holstein erreicht. Der Rest der neuen Länder liege aber weiter nur bei der Hälfte des bundesdeutschen Durchschnitts. "Die Industrie ist der entscheidende Wachstumsmotor in Ostdeutschland. Deshalb muss die Politik auch zukünftig für die Stärkung der Industrie in den neuen Bundesländern sorgen", sagte Rhode. Er forderte die deutsche Bundesregierung sowie die Länder Berlin und Brandenburg vor allem auf, eine Initiative "Wirtschaftsraum Berlin" ins Leben zu rufen. (APA/AP)

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