Hoffungsschimmer für insolventen Handy-Produzent BenQ

2. Oktober 2006, 11:40
4 Postings

Deutsche Bundesregierung schließt sich Kritik an Siemens an

Wenige Tage nach der Pleite des Handy-Produzenten BenQ gibt es einen Hoffnungsschimmer für die Beschäftigten. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Martin Prager kann die Produktion wohl zunächst bis Jahresende weiterlaufen. Ab Jänner müsse das Unternehmen dann aber profitabel sein, sagte er am Samstag in München. Vom taiwanischen BenQ-Mutterhaus ist kaum Hilfe zu erwarten.

Kritik an Siemens

Unterdessen schloss sich die deutsche Bundesregierung der Kritik am früheren Eigentümer Siemens an. Er sei von dem Unternehmen enttäuscht, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). SPD-Chef Kurt Beck telefonierte mit Siemens-Konzernchef Klaus Kleinfeld.

Vorsichtig

Prager zeigte sich insgesamt vorsichtig optimistisch. Unklar ist den Angaben zufolge derzeit aber der Zugriff auf die Handy-Patente, was für eine weitere Produktion wichtig ist. Von der Muttergesellschaft BenQ aus Taiwan ist nach einem Bericht des "Focus" keine Unterstützung zu erwarten. Sie lehne Hilfen an oder Übernahmen von deutschen Mitarbeitern ab. BenQ-Finanzchef Eric Ky Yu sagte dem Magazin: "BenQ geht nun an den Insolvenzverwalter. Wir müssen abwarten, was er unternimmt."

Vor einem Jahr übernommen

Der taiwanischen BenQ-Konzern hatte die Produktion erst vor rund einem Jahr von Siemens übernommen. Die Münchener hatten bereits länger nach einer Lösung für die defizitäre Handysparte gesucht und bei der Abgabe noch Geld draufgelegt. Bisher war von einer Mitgift von etwa 350 Millionen Euro die Rede. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zahlte Siemens deutlich mehr als angenommen. Aus dem Konzernabschluss 2005 gehe aber hervor, dass von dem Verlust aus dem Verkauf der Handy-Sparte 413 Millionen Euro direkt BenQ zuzuordnen seien. Zudem sei im Jahr 2006 mit weiteren "Nettozahlungsmittelabflüssen von etwa 500 Millionen Euro" zu rechnen, berichtete das Blatt.

Wut

Mit Glos schaltete sich nach den Landesregierungen der betroffenen Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern erstmals ein Mitglied der Bundesregierung in die Debatte um die BenQ-Pleite ein. "Ich kann die Wut und die Enttäuschung der Mitarbeiter gut verstehen", sagte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) der "Bild am Sonntag". "Was Nokia geschafft hat, hätte Siemens auch schaffen müssen. Ich bin von den unternehmerischen Leistungen dort enttäuscht", kritisierte er in der "BamS". In dem Insolvenzverfahren stehen rund 3000 Arbeitsplätze in der Münchner Zentrale und in den nordrhein-westfälischen Werken Bocholt und Kamp-Lintfort auf dem Spiel.

Verantwortung

Auch SPD-Chef Kurt Beck sieht Siemens in einer Mitverantwortung. Auf einer Parteiveranstaltung in Berlin sagte er am Samstag, er habe mit Konzernchef Kleinfeld telefoniert. Geprüft werde, ob BenQ-Mitarbeiter in Siemens-Firmen übernommen werden können. Im Insolvenzverfahren müsse versucht werden, "möglichst viele Arbeitsplätze zu retten", sagte Beck.

"Musterbeispiel für Raubtier-Kapitalismus"

Der saarländiche SPD-Chef Heiko Maas nannte die Vorgehensweise von Siemens und BenQ ein "Musterbeispiel für Raubtier-Kapitalismus". Er rief die Verbraucher auf, keine im Ausland produzierten BenQ-Produkte zu kaufen. Der SPD-Politiker Ludwig Stiegler forderte die Offenlegung der Verträge zwischen Siemens und BenQ. "Es könnte durchaus sein, dass sich die Transaktionsvorgänge als rechtsunwirksam erweisen", erklärte er.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Benq-Mobile Mitarbeiter beim Protest

Share if you care.