Ex-Armeechef ist Interimspremier

16. Oktober 2006, 08:31
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Surayud Chulanont gilt als Vertrauter von König Bhumibol - Kabinett soll in einer Woche fertig sein

Zwölf Tage nach ihrem Putsch hat Thailands Junta gestern einen Regierungschef eingesetzt: Interimspremier bis zu den Wahlen voraussichtlich in einem Jahr ist der frühere Armeechef Surayud Chulanont.

Surayud, der am Sonntagnachmittag vereidigt wurde, hat sich sowohl als General als auch Zivilperson großen Respekt im Land verschafft. Am Vortag hatten alle Fernsehsender Thailands begonnen, Bilder von Surayud auszustrahlen: Surayud bei Muslimen, Surayud unter dem Volk, Surayud als Soldat.

Dass der 24. Premier Thailands ein Exgeneral ist, wird höchstens im Ausland ein Problem sein. Surayud (63) ist „ein Wunschpremier“, so ein Diplomat, auf den aber schwierige Arbeit zukomme: Thailands unter dem gestürzten Premier Thaksin gespaltene Gesellschaft auszusöhnen und Integrität und Moral zurück in die Politik zu bringen.

Amnestie für Putsch Die Junta tritt unter dem neuen Premier als „Sicherheitsrat“ in den Hintergrund ab. In einer Übergangsverfassung haben sich die Generäle auch bereits eine Generalamnestie für den Putsch sowie das Recht ausgestellt, die Interimsregierung notfalls zu feuern.

Surayud will in einer Woche sein Kabinett fertig haben. Mit der Rückkehr zur Normalität werden bis Mittwoch auch alle Panzer aus Bangkok abgezogen und Sicherheitsaufgaben zurück an die Polizei übergeben. Auch die vier verhafteten Exminister von Altpremier Thaksin kamen gestern auf freien Fuß.

Surayud war vom US-Magazin Time 2003 zu einem „Helden Asiens“ gewählt worden. Das Mitglied von Thailands exklusivem Kronrat schuf sich mit seinem Engagement für Flüchtlinge, Umwelt- und Sozialprojekte einen Namen.

Und er ist ein Exgeneral, der Generäle aus der Politik will. In Thailand lächelt man über Aufforderungen aus dem Westen, dass das Land schnellstmöglich zur Demokratie zurückzukehren habe.

Zuerst müsse das alte System ausgerottet werden, heißt es. Laut Thailands „Nationaler Entwicklungsbehörde“ habe systematische Korruption unter Thaksin den Staat rund 10,5 Milliarden US-Dollar gekostet. Bei 95 Megaprojekten seien bis zu 30 Prozent der Zahlungen unter dem Tisch verschwunden. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.10.2006)

Von Daniel Kestenholz aus Bangkok
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    General Surayud Chulanont wird Regierungschef

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