Karzai erneuert Vorwürfe an Pakistan wegen Taliban-Angriffen

4. Oktober 2006, 16:18
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Afghanischer Präsident kritisiert Islamabads Abkommen mit Stammesführern in Waziristan

Kabul - Nur wenige Stunden nach einem verheerenden Selbstmordanschlag in Kabul hat der afghanische Präsident Hamid Karzai erneut Vorwürfe gegen Pakistan erhoben. Ein Abkommen, das die Regierung in Islamabad in der Stammesregion Nord-Waziristan mit Taliban-freundlichen Rebellen geschlossen habe, bedeute für Afghanistan "mehr Anschläge", sagte Karzai am Samstag in Kabul.

Mehr Angriffe

"Die Vereinbarung, die sie (die Pakistani) in Waziristan unterzeichnet haben, ist für Afghanistan bisher nicht fruchtbar gewesen, es hat danach mehr Angriffe auf unser Volk in der Nähe dieser Region gegeben."

Treffen in Washington

Erst am Mittwoch hatten sich Karzai und der pakistanische Präsident Pervez Musharraf gemeinsam mit US-Präsident George W. Bush in Washington getroffen. Musharraf hatte das Anfang September unterzeichnete Abkommen in einem CNN-Interview vehement verteidigt. Bei der Vereinbarung mit Stammesführern in Waziristan sei es gerade darum gegangen, den Taliban die Unterstützung in Pakistan zu entziehen.

Waffenstillstand

Auf der Pressekonferenz mit Karzai in Kabul sagte ein US-Militärsprecher, der Waffenstillstand zwischen der pakistanischen Armee und Rebellen in Waziristan habe den Taliban freie Hand gegeben, um von der Grenzregion aus Angriffe in Afghanistan zu koordinieren. Karzai erklärte, Musharraf habe ihm in Washington ausdrücklich versichert, dass Pakistan gegen "alle extremistischen, terroristischen Elemente" vorgehen werde. Beide Präsidenten hätten vereinbart, gemeinsam eine Reihe von Versammlungen mit Stammesführern auf beiden Seiten der Grenze zu veranstalten.

Vor dem afghanischen Innenministerium hatte sich am Morgen ein Selbstmordattentäter inmitten einer Menschenmenge in die Luft gesprengt und dabei zwölf Menschen mit in den Tod gerissen.(APA/dpa)

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