Experte: Ölmarkt im Gleichgewicht

16. Oktober 2006, 13:02
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Einschätzungen wechseln jedoch schnell - Anzeichen, dass Konsumenten auf höhere Preise reagieren

Hamburg - Auf den internationalen Ölmärkten ist nach Expertenansicht trotz des Preisrückgangs der vergangenen Wochen noch keine grundsätzliche Trendwende eingetreten. "Die extremen Preisschwankungen der vergangenen Monate spiegeln den oft raschen Wechsel in der Einschätzung der Versorgungslage wider", sagte Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) der dpa in Hamburg. "Dabei ließen die fundamentalen Marktdaten stets nur den Schluss zu, dass das aktuelle Weltölangebot ausreichend ist."

Matthies rechnet in den kommenden Monaten und im nächsten Jahr mit einem Ölpreis von rund 60 Dollar (47,4 Euro) je Barrel (159 Liter). Die Marke von 80 Dollar sei erst einmal in die Ferne gerückt. Allerdings werde es weiterhin starke kurzfristige Preisausschläge geben.

Produktionskapazitäten

Die Investitionen in neue Produktionskapazitäten und die Erschließung neuer Ölquellen haben laut Matthies in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, vor allem bei den privaten Ölkonzernen. "Bei den Förderländern mit staatlichen Ölgesellschaften, die über den weitaus größten Teil der Ölreserven verfügen, ist das Ausbautempo gemessen an der erwarteten Verbrauchsentwicklung eher verhalten", sagte der Wissenschaftler. "Stark gestiegene Einnahmen aus dem Ölexport dämpfen die Neigung zu höherer Ölproduktion." Matthies rechnet damit, dass die Länder außerhalb des Ölförderkartells OPEC ihre Produktion im kommenden Jahr um 1,8 Millionen Barrel am Tag (mbpd) ausdehnen, bei einer aktuellen Welt-Ölförderung von 85 mbpd.

Schwellenländer

Auf der Nachfrageseite werden Schwellenländer wie China und Indien ihren Ölverbrauch weiter erhöhen, allerdings nicht mehr in dem rasanten Tempo früherer Jahre. Der hohe Preis und die Aussicht auf eine etwas schwächere Weltkonjunktur dämpfe die Nachfrage nach Öl, wenngleich nur wenig Ausweichmöglichkeiten vorhanden seien. "Auch andere Energieträger sind teurer geworden", sagte Matthies. Es gebe Anzeichen, dass die Verbraucher auf die hohen Preise reagieren. "So ist in den USA der Absatz von Geländewagen mit hohem Benzinverbrauch eingebrochen." Eine nachhaltige Beruhigung am Ölmarkt ließe sich am ehesten durch eine Entspannung der politischen Lage im Nahen Osten und durch höhere Verbrauchssteuern in Nordamerika erreichen. Beides sei nicht in Sicht. (APA/dpa)

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