Militär tötet zwei Kokabauern

19. Oktober 2006, 15:35
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Elf Polizisten als Geisel genommen - Lage auch nach Ende stundenlanger Kämpfe angespannt

La Paz - Mindestens zwei Männer sind bei Zusammenstößen zwischen Militär- und Polizeieinheiten und Koka-Bauern in Bolivien ums Leben gekommen. Die Kämpfe spielten sich nach Medienberichten am Freitag in der Kokaanbauregion Chaparé im Zentrum des Andenlandes ab. Die Bauern hätten Widerstand geleistet, als die Sicherheitskräfte illegale Kokafelder zerstören wollten, hieß es.

Bei den beiden Todesopfern handelt es sich den Medienangaben zufolge um Bauern. Auch gebe es zahlreiche Verletzte. Die Bauern hätten außerdem elf Polizeibeamte als Geiseln genommen. Die Lage in Chaparé sei auch nach Ende der stundenlangen Kämpfe sehr gespannt.

Hinterhalt

Verteidigungsminister Walker San Miguel erklärte, die Sicherheitskräfte seien im Nationalpark "Carrasco" von rund 200 Bauern in einen Hinterhalt gelockt worden. Die Bauern, darunter auch viele Frauen, hätten Schusswaffen, Dynamit und Messer eingesetzt. Es habe sich um eine Aktion des "Organisierten Drogenhandels" gehandelt. Der Minister schloss eine Militäraktion zur Befreiung der Geiseln nicht aus. Es waren die ersten Unruhen mit Toten in Chaparé seit 2004.

Obwohl der Kokaanbau in Bolivien nur auf 12.000 Hektar im Departement La Paz für religiöse und medizinische Zwecke erlaubt ist, schätzen Behörden, dass das Koka-Blatt tatsächlich auf 27 000 bis 30 000 Hektar angebaut wird. Die neue Regierung des Indigena und früheren Kokabauern-Führers Evo Morales hatte jüngst mitgeteilt, man wolle die Fläche des legalen Kokaanbaus eventuell auf insgesamt 15.000 Hektar ausweiten. Gleichzeitig wurde in La Paz aber eine Verschärfung der Bekämpfung des illegalen Anbaus im Rahmen der so genannten "Null Kokain"-Politik angekündigt.

Die Koka-Blätter werden traditionell von den Indigenas in Bolivien als kraftspendende leichte Droge gekaut, können aber auch zum Rauschgift Kokain weiterverarbeitet werden. (APA/dpa)

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