Republikanischer Politiker wegen Sex-Affäre zurückgetreten

4. Oktober 2006, 13:01
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Abgeordneter Mark Foley schickte anzügliche E-Mails an 16-jährigen Pagen im Kongress

Washington - In der Affäre um Sex- Botschaften eines US-Abgeordneten an Minderjährige geraten die Republikaner kurz vor der Kongresswahl zunehmend unter Druck. Der Präsident des Repräsentantenhauses, Dennis Hastert, und andere Mitglieder der Parteispitze gaben am Wochenende an, seit sechs Monaten von E-Mails ihres Kollegen Mark Foley aus Florida an Jugendliche gewusst zu haben. Über deren sexuellen Inhalt seien sie jedoch nicht informiert worden, betonten sie. Hastert bat das Justizministerium, die Vorfälle zu untersuchen. Auch die Bundespolizei FBI kündigte eine Prüfung an, ob der Fall in ihre Zuständigkeit fällt. Das Ethik-Komitee des Repräsentantenhauses befasst sich bereits mit den Vorwürfen.

Foley war am Freitag zurückgetreten. Der Sender ABC hatte zuvor berichtet, der 52-Jährige aus Florida habe E-Mails mit Anspielungen auf Geschlechtsorgane und sexuelle Handlungen an männliche "pages" geschickt - Teenager, die im Rahmen eines Praktikums für Kongressabgeordnete Anrufe entgegennehmen und Botengänge erledigen. Foley wurde sechs Mal für eine zweijährige Legislaturperiode in das Repräsentantenhaus gewählt. Er war Vorsitzender eines Gremiums der Kammer, das sich für vermisste und missbrauchte Kinder einsetzt. Zudem ist er der Autor von wichtigen Teilen des Adam-Walsh-Kinderschutzgesetzes, das im Juli von Präsident George W. Bush unterzeichnet wurde.

Hasterts Mitarbeiter teilten in einer Erklärung mit, im Herbst 2005 von Botschaften Foleys an einen Praktikanten erfahren zu haben. Über einen sexuellen Inhalt sei ihnen jedoch nichts mitgeteilt worden. Foley sei verwarnt worden. Hastert selbst wisse erst seit Frühling 2006 von den Botschaften.

Demokraten und auch einige Republikaner verlangten am Sonntag den Rücktritt der republikanischen Parteiführung der Kongress-Kammer, sollte diese nachweislich von den Vorfällen gewusst haben. "Ich glaube jeder sollte zurücktreten, jeder an der Spitze, der davon gewusst hat, sollte zurücktreten", sagte der republikanische Abgeordnete Sherrod Brown aus Ohio, der in diesem Jahr für den Senat kandidiert. Der dortige Fraktionsvorsitzende der Demokraten, Harry Reid aus Nevada, nannte die mutmaßlichen Handlungen Foleys widerwärtig. "Aber noch widerwärtiger ist die Möglichkeiten, dass die republikanische Führung im Repräsentantenhaus von dem Problem wusste und es ignoriert hat, um in diesem Wahljahr einen Sitz im Kongress zu schützen."

Am 7. November werden das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Den Republikanern von Präsident George W. Bush droht in beiden Kammern der Verlust ihrer Mehrheit. (Reuters)

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