Auf der Insel und in Favoriten

8. Oktober 2006, 16:44
2 Postings

"Football's coming ho­me", tönte es im Prater - In der Gruppenphase will die Austria Erfahrung sammeln, vorerst wartet in Graz der GAK

Wien - Da gibt es diesen mörderisch guten Fußballsong von den Lightning Seeds, Three Lions '98, mit der weltbesten Zeile überhaupt, "Football's coming home".

Die Zeile und der Song haben natürlich nur mit England zu tun, dort hat der Fußball bekanntlich sein Zuhause, seit einige Rugbyspieler den Ball nur noch kicken und nicht mehr tragen wollten und den einen Dickkopf, dem das Tragen partout nicht auszutreiben war, halt ins Tor stellten. Wieso diese Nummer nach einem Match der Wiener Austria ertönt, fragt man sich, selbst wenn die Austria im Prater gegen Legia Warschau 1:0 gewonnen und die UEFA-Cup-Gruppenphase erreicht hat.

Aber gut, die Hoffnung verbindet arme englische Fußballfans, die seit 1966 auf einen WM-Titel warten, und ärmere violette Fußballfans. "We still believe, we still believe, we still believe", das passt da und dort, damit macht man sich Mut, auf der Insel und in Favoriten. Austria-Trainer Frenkie Schinkels ist einer dieser Believer, und doch ist er "kein typischer Österreicher. Denn ich sage jetzt nicht, dass wir den UEFA-Cup gewinnen werden." Vorher sind die Engländer tatsächlich ein zweites Mal Weltmeister, mit oder ohne Beckham.

Schinkels hat "eine Mannschaft gesehen, die unbedingt nach Europa wollte". Am Sonntag muss diese Mannschaft nach Graz zum GAK, es gilt den vorletzten Platz in der T-Mobile Bundesliga abzugeben und zwar eher nicht an das derzeitige Schlusslicht Ried. "Die Meisterschaft", sagt Schinkels, "hat sich nicht verändert, das ist ein anderes Paar Schuhe, und diese Schuhe drücken uns momentan." Vor dem Match gegen Legia hatte Schinkels "ein Supergespräch" mit dem harten Kern der Fans gehabt, jenem Kern, bei dem Roman Wallner zuletzt schlecht angeschrieben war. Wallners Lage dürfte sich verbessert haben, sei's wegen der Schinkels-Worte, sei's wegen seines Kopfballtors gegen die Polen. Schinkels: "Er ist und bleibt ein guter Stürmer." Wallner meint, der Sieg über Legia sei "ein Neuanfang", nun gelte es in Graz zu bestehen und in der Länderspielpause Kraft zu tanken.

Am Dienstag wird die Gruppenphase (Fünfergruppen) gelost, am 19. Oktober beginnt sie, die Austria bespielt zwei Gegner nur daheim, zwei Gegner nur auswärts. Schinkels wünscht sich die Glasgow Rangers, zu denen die ehemaligen Austrianer Sebo, Sionko und Papac wechselten. Nichts wird aus Blackburn und Livorno, die wie die Austria aus dem vierten von fünf Töpfen gezogen werden. "Wir haben", sagt Schinkels, "unser Ziel erreicht", die Youngsters sollen nun Erfahrung sammeln.

Irgendwann werden sie davon profitieren, an irgendetwas muss man ja glauben. Wie singen die Lightning Seeds? "No more years of hurt, no more need for dreaming." (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe, 30. September 2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Blanchard versucht Wallner einzufangen.

Share if you care.