Berlin kämpft gegen die "großen Vier"

11. Oktober 2006, 11:23
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Wegen hoher Strompreise sind die deutschen Energieversorger unter Druck

"Die vier großen Stromkonzerne gerieren sich wie die vier Besatzungsmächte." Ist in Deutschland von den Strompreisen die Rede, dann greift die Grüne Oppositionschefin Renate Künast schon mal zu einem deftigen Vergleich. Selten genug in der Politik - aber die Regierung gibt Künast Recht und hat den Strombossen den Kampf angesagt.

Früher als in Österreich, im Jahr 1998, ist der deutsche Strommarkt liberalisiert worden. Danach trat ein, was sich Politik und Verbraucher gewünscht hatten: Strom wurde billiger. Doch heute ist das Nachbarland von paradiesischer Preisgestaltung zum Teil weiter entfernt als vor 1998. Mittlerweile stöhnen die Verbraucher unter einer wettbewerbshemmenden Konzentration: 90 Prozent des Strommarktes teilen sich die vier Riesen Eon, RWE, EnBW (Energie Baden-Württemberg) und Vattenfall auf, die ihre Gewinne in den vergangenen Jahren enorm steigern konnten. Eon etwa verbuchte im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Plus von 7,3 Milliarden Euro.

Netzentgelte unter der Lupe

Doch die nächste Bilanz dürfte nicht mehr so rosig ausfallen. Im Vorjahr hat die Regierung ein neues Energiewirtschaftsgesetz erlassen, auf dessen Basis die Bundesnetzagentur derzeit die Netzentgelte unter die Lupe nimmt. Im Strompreis und in den Netzentgelten sei "noch viel Luft drin", erklärte deren Chef Matthias Kurth. Als erstes bekam dies Vattenfall zu spüren: Anstatt dem Stromversorger eine Erhöhung der Netznutzungsentgelte (für andere Versorger, z.B. Stadtwerke, Anm.) zu gewähren, schrieb die Bundesnetzagentur eine Kürzung von 18 Prozent vor. RWE traf es mit neun, EnBW mit acht Prozent. Die Folgen für die Haupststadt Berlin: Strom wird für 1,7 Millionen Haushalts- und Gewerbekunden 2007 billiger.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) plant zudem eine Verschärfung des Wettbewerbsrechts. Das Kartellamt soll künftig nicht mehr nur gegen den gesamten Strompreis angehen können, sondern auch gegen einzelne zu hohe Preiskomponenten, wie etwa Erzeugung oder Transport. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.9./1.10.2006)

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