Kopf des Tages: Abu Hamza al-Muhajir

3. Oktober 2006, 15:05
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Ein Name für den Terror im Irak

Manche behaupten, die Amerikaner hätten Al-Kaida im Irak quasi herbeigeredet, indem sie die Rolle Abu Musab al-Zarkawis in ihrer Verzweiflung über den wuchernden Aufstand übertrieben. Ohne Zweifel gibt es eine Art symbiotisches Verhältnis zwischen den wahrscheinlich selbst ernannten Statthaltern Osama Bin Ladens im Zwischenstromland und den "Besatzern". Wohl für beide Seiten musste deshalb nach der Beseitigung Zarkawis möglichst schnell der Name geliefert werden, an dem die ganze Sache wieder festzumachen ist: Er lautet Abu Ayyub al-Masri alias Abu Hamza al-Muhajir. Die USA stellten ihn wenige Tage nach Zarkawis Tod in einer Pressekonferenz vor, im Bild im Goldrahmen.

Der Name sagt nichts dar-über aus, ob es eine Person, die so heißt, wirklich gibt und ob sie tatsächlich Kaida-Chef im Irak ist. Manche Geheimdienste bezweifeln das.

Aber immerhin, es gibt jemanden, der unter dem Namen Abu Hamza al-Muhajir Tonbänder mit Aufrufen zum Töten von US-Soldaten und Schiiten bespricht und sich beim Abschlagen des Kopfes einer türkischen Geisel filmen lässt. Zuletzt forderte er seine Mitkämpfer zur Entführung von Ausländern - er sagte "Hunde von Christen" - im Irak auf, um den wegen des Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993 in den USA inhaftierten ägyptischen Terroristen Omar Abdel-Rahman freizupressen. Und er drohte mit dem Einsatz von biologischen Waffen.

Die Biografie - vielleicht erfunden, vielleicht echt - des Mannes besagt, dass er aus Ägypten stammt (deshalb al-Masri, der Ägypter) und dass er "ausgezogen" ist (deshalb al-Muhajir, ursprünglich einer, der die Hijra, den Auszug des Propheten Muhammad von Mekka nach Medina, mitgemacht hat). Sein Lehrer und seine Leitfigur war demnach der Ägypter Ayman al-Zawahiri, später rechte Hand von Bin Laden.

Anderen Quellen zufolge kommt er aus Libyen. Bis Mitte der 90er-Jahre soll er sich im Sudan aufgehalten haben, danach ab 1999 in Afghanistan und in Pakistan - angeblich war er Al-Kaida-Geheimdienstchef - und schon 2001 im Irak, wo er Rekrutierungsgeschäfte besorgte. Später taucht er in Kirkuk auf, wo er mit Attentaten den Konflikt zwischen Arabern und Kurden anfacht. Sein Aufstieg zu einem Führer - Emir für den Südirak - läuft parallel zur Schlacht um Falluja 2004, einer traurigen Station auf der Radikalisierung des Irak.

Sonst lässt sich über ihn nur festhalten, was die irakische Al-Kaida im Ernennungsstatement über ihn sagt: Scheich Abu Hamza al-Muhajir, Gott möge ihn beschützen, ein guter Bruder, hat Erfahrung im Djihad und einen Fuß tief im Pool des Wissens. Möge Gott ihn leiten, um das weiterzuführen, was Scheich Abu Musab begonnen hat. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 30. September/1. Oktober)

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    Abu Hamza al-Muhajir, der angebliche Chef der irakischen Kaida.

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