Spuren in die rote Vergangenheit

10. Oktober 2006, 13:40
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Gesellschaften rund um Martin Schlaff, deren Akteure aus DDR-Zeiten und den Prozessen danach bekannt sind, stehen im Rampenlicht

Wolfgang Flöttl hat mit seinen jüngsten Aussagen die Galonia Etablissement in Liechtenstein ins Spiel gebracht. Und damit Gesellschaften rund um Martin Schlaff ins Rampenlicht, deren Akteure aus DDR-Zeiten und den Prozessen danach bekannt sind.

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Wien - Die Liechtensteinische Gesellschaft Galonia Etablissement spielt in der Causa Bawag eine seltsame Rolle. Ins Licht der Öffentlichkeit geriet die "Anstalt" zuletzt durch Wolfgang Flöttl. Er hat ausgesagt, Erlöse aus seinen Vermögensverkäufen an die Galonia überwiesen zu haben; kurz war von SPÖ-Parteifinanzierung die Rede gewesen.

Zuvor ist die Galonia aber bereits im Bawag-Prüfbericht der Nationalbank aufgetaucht.

Der Wiener Unternehmer Martin Schlaff hat 2001 eine Million Euro dafür kassiert, der Bawag rund um das Karibik-Verlustversteck-Karussell Firmen zu nennen; die Million floss an Schlaffs Tagnix und die Galonia. Sie hat neben Gilbert Negele seit Jänner 1994 einen zweiten Verwaltungsrat mit Einzelzeichnungsrecht: und zwar Konrad Paul Ackermann, daheim in Langgreut im Schweizerischen Egnach.

Ebendort hat auch eine Galonia AG ihren Sitz; bis 1999 hat sie W. Binder Holding AG geheißen. Geschäftszweck der Galonia AG: "Erwerb und dauernde Verwaltung von Beteiligungen an anderen Unternehmen"; im Handelsregister wird Manuela Schaffhauser angeführt. Sie sitzt beispielsweise auch im Verwaltungsrat der Egnacher Hadras AG, deren Präsident Konrad Paul Ackermann ist, einfaches Mitglied ist Konrad Georg Ackermann, offenbar eng verwandt.

Hinter dem Vorhang

Hier schließt sich der Kreis zu Martin Schlaff. Konrad Ackermann war Schlaffs Geschäftspartner, als Schlaff noch Osthändler war und Berliner Mauer und Eiserner Vorhang noch standen. Als Deutschland seine Vergangenheit aufarbeitete und die Gelder der SED (Sozialistische Einheitspartei) und der Staatssicherheit (Stasi) zu orten versuchte, war Schlaff ins Visier der Ermittler und Justiz geraten. Im "Schlaff-Komplex" warf man ihm und Ackermann etwa vor, mit der DDR über die Schweizer Lomer AG Scheingeschäfte mit Festplatten getätigt zu haben. Schlaff (von der Stasi als Informeller Mitarbeiter "IM Landgraf" geführt) konnte stets alle Vorwürfe entkräften.

Eine Lomer & Co. AG gibt es übrigens heute noch, in Egnach in der Schweiz. Geschäftsgegenstand: Beteiligungen, Ausübung von Treuhandgeschäften, Handel mit Grundstücken; Auch hier wieder eine Verbindung zu Manuela Schaffhauser, auch sie wird im Firmenbuch genannt.

Vorstandskollegen

Die Familien Ackermann und Schlaff sind einander bis heute verbunden. Georg Ackermann sitzt gemeinsam mit Anwalt Harry Neubauer (hat einst die KPÖ vertreten, die im Novum-Prozess mit Deutschland verstrickt war) und Schlaff-Geschäftsfreund Michael Hason im Vorstand der Wiener LHU Privatstiftung. Sie wurde im Juli 2005 von der Familie von Schlaffs Bruder, Jam, eingerichtet.

Die Wiener Behörden werden die Liechtensteinische Galonia wohl bald unter die Lupe nehmen. Für zumindest eine Zahlung hat sich auch die israelischen Justiz im Rechthilfeweg (Aktenzahl: 274 HS 12/04) interessiert. und zwar im Zusammenhang mit ihren Vermutungen, Schlaff habe unerlaubterweise Ex-Premier Ariel Sharon finanziert. Konkret geht um die über die Bawag am 14. Jänner 2002 gelaufene Überweisung von 1,5 Mio. Dollar von der Galonia zu Cyril Kern ins südafrikanische Cape Town. In Israel vermutet man, das Geld habe über Kern den Weg zu Sharon gefunden. Und zwar am 15. Jänner. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.9./1.10.2006)

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