ÖGB-Bilanz mit 38 Millionen Verlust

5. Oktober 2006, 19:18
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Verwirrung um Offenlegung interner Zahlen - Finanzchef Schneider: "Ein Schmarrn" - Hundstorfer: "Von mir hören Sie nullo"

Wien - Der ÖGB hat für das Jahr 2005 einen Netto-Abgang von 38 Mio. Euro zu verzeichnen. Diese Zahl ergibt sich aus einem Verlust von 108 Mio. und einem Erlös von 70 Mio. Euro durch die Auflösung von Rückstellungen, insbesondere durch den Verkauf von Liegenschaften.

Diese Zahlen soll ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider am Freitag im Präsidium des Gewerkschaftsbundes genannt haben. In diesen Zahlen seien die Bawag-Verluste des ÖGB noch nicht enthalten. Diese werden erst in der Bilanz für das heurige Jahr aufscheinen. Deshalb sei zu erwarten, dass der ÖGB in der Bilanz 2006 ein noch größeres Problem haben wird, zumal dann kaum noch Rückstellungen aufzulösen seien, hieß es.

Die Zahlen hätten vertraulich bleiben sollen, drangen aber doch an die Öffentlichkeit. Finanzchef Schneider dementiert aber nicht unwesentliche Details.

"Ein Schmarrn"

"In der Bilanz 2005 sind alle Bawag-Verluste verarbeitet, es geht um die Bilanz des ÖGB und nicht um eine Konzernbilanz", stellte Schneider auf Standard-Anfrage klar. "Dass die Bilanz 2006 ein großes Problem wird, ist ein Schmarrn: Wir haben noch drei Monate Zeit für die Bilanz und werden stille Reserven heben und Immobilien verkaufen."

"Wir tun alles, um die Bawag und den ÖGB zu retten, und zwar auch deshalb, damit die Steuerzahler nicht für den Kriminalfall Bawag gerade stehen müssen", sagte Schneider. Mit den "falschen Informationen, die aus dem Präsidium kommen" könne man auch dem Verkauf der Bawag schaden; "das legt es ja fast nahe, wieder zur Blockade-Informationspolitik zurückzukehren.

Hundstorfer: "Von mir hören Sie nullo"

Auch Gewerkschafts-Präsident Rudolf Hundstorfer wollte den Verlust nicht bestätigen. "Von mir hören Sie nullo", sagte er. Auf die Frage, ob die Zahlen stimmen sagte Hundstorfer: "Das fragen Sie die Deppen, die die Zahlen rausgeben. Alles andere kommentiere ich nicht."

Kritisch äußerte sich Hundstorfer dann über die Berichterstattung betreffend die Gewerkschaft und die BAWAG in den vergangenen Wochen. Die Medien würden "keinerlei Verantwortungsgefühl" an den Tag legen. "Was da in den letzten Wochen geschrieben wurde, da wurden Werte vernichtet, das ist alles unverantwortlich". Offenbar gebe man keine Ruhe, bis "dieser Verein tot" sei.

BZÖ-Obmann Peter Westenthaler forderte als Reaktion auf die Millionenverluste den sofortigen Rücktritt des gesamten ÖGB-Präsidiums. "Die selbsternannten Arbeitnehmervertreter vernichten die Arbeitnehmervertretung Gewerkschaft. Absurder geht es nicht mehr. Ich erwarte mir den sofortigen Rücktritt des gesamten ÖGB Präsidiums inklusive Fritz Neugebauers", nahm Westenthaler auch den GÖD-Vorsitzenden in die Pflicht, der allerdings nicht mehr dem Präsidium angehört. (APA, gra, DER STANDARD, Printausgabe 30.9./1.10.2006)

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