Islamische Glaubensgemeinschaft kritisiert Idomeneo-Absetzung

3. Oktober 2006, 15:42
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"Bärendienst" an den Muslimen - "treffliche Gelegenheit einmal mehr über die angeblich 'mangelnde Toleranz des Islam' zu debattieren"

Wien - Mit der Absetzung des "Idomeneo" habe die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, Kirsten Harms, den Muslimen einen "Bärendienst" erwiesen, kritisierte die Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich, Carla Amina Baghajati, in einer Aussendung. Es sei "eine treffliche Gelegenheit einmal mehr über die angeblich 'mangelnde Toleranz des Islam' zu debattieren und entschieden die Verteidigung europäischer Werte zu fordern".

Obwohl die Muslime sich nicht über die vom Regisseur hinzugefügte Szene beschwert hätten, in der die Titelfigur als eine Art Befreiungsakt die abgeschlagenen Köpfe verschiedener Persönlichkeiten aus der Religionsgeschichte auf Stühlen drapiere, werde in Reaktionen Harms Entscheidung als "Kniefall vor dem Islamismus", "vorauseilender Gehorsam" und Verrat an der Kunst- und Meinungsfreiheit verurteilt.

Muslime waren gegen Absetzung

Dass die Muslime in Deutschland durch ihre Dachorganisationen dafür eintraten, "Idomeneo" auf dem Spielplan zu belassen, sei vielfach höchstens als Randnotiz erschienen, kritisiert Baghajati. Die mit vielen Erwartungen begleitete erste deutsche "Islamkonferenz" habe angesichts der ausgerufenen Kulturdebatte medial das Prädikat "überschattet" getragen, obwohl alle Teilnehmer erklärtermaßen gemeinsam in die Oper gehen wollten, so sie gespielt wird.

Die Sache zeige, wie unaufgearbeitet der Fall um den so genannten Karikaturenstreit noch sei, so Baghajati. "Wir sind Zeugen des absurden Falls einer Aufregung über Muslime, 'den Islam', ohne dass die Angesprochenen irgendeinen Anteil gehabt hätten. So weit sind die pauschalen Verdächtigungen und Ängste schon gekommen? Stehen wir - Muslime wie Andersgläubige - wirklich dermaßen in Geiselhaft einiger fanatischer und engstirniger Aufwiegler?"

Der "Idomeneo" solle wieder aufgenommen werden, "um allgemeine Hysterie endlich in einen vernünftigen Diskurs zu überführen - bei dem die Muslime Stimme bekommen", fordert Baghajati. Neuenfels' Regieeinfall sei schließlich eine allgemeine drastische Religionskritik, die auch Buddhismus, Christentum und die antike Götterwelt treffe. Mozart "würde so manchem der Akteure dieser traurigen Farce wohl gehörig 'den Marsch blasen'", so Baghajati, "- einen türkischen hoffentlich, denn gegen den Islam hatte er nun wirklich nichts". (APA)

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