"Idomeneo": Innensenator unter Druck

3. Oktober 2006, 15:42
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Berliner SPD-Politiker Körting gibt Fehler bei Entscheidung über Absetzung zu

„Idomeneo“ und kein Ende. Immer noch diskutiert Deutschland die Absetzung der Mozart-Oper durch die Intendantin der Deutschen Oper, Kirsten Harms. Diese war zunächst von Politikern aller Parteien und Künstlern wegen „vorauseilender Selbstzensur“ hart kritisiert worden, weil sie die Oper vom Spielplan genommen hatte, da in einer Szene der blutige und abgeschlagene Kopf des Propheten Mohammed gezeigt wird.

Doch nun gerät immer mehr der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) in Erklärungsnot. Harms hat der Berliner Boulevardzeitung B.Z. ein Interview gegeben. Darin schildert sie den Vorgang und ihre Entscheidung so: Sie selbst sei fest entschlossen gewesen, die Inszenierung (Premiere war 2003) im November wieder viermal auf den Spielplan zu setzen. Doch dann habe sie der Innensenator angerufen und ihr erklärt, „dass seine Behörde keinerlei Sicherheit garantieren kann“.

"Bedrohung für die gesamte Bundesrepublik"

Harms: „Mir wurde signalisiert, dass diese Inszenierung nicht nur eine Bedrohung für die Deutsche Oper darstellte, sondern für die gesamte Bundesrepublik und Einrichtungen im Ausland. Diese Bedrohung wurde mir sehr drastisch geschildert, und ich bin sehr verwundert, dass das plötzlich eine Bagatelle gewesen sein soll.“ Gefragt, ob sie mit Körting über Schleusen für das Publikum oder andere Sicherheitsmaßnahmen gesprochen habe, sagt Harms: „Der Innensenator hat mir gesagt, dass seine Behörde eine solche Sicherheit nicht leisten kann.“

Körting hat nun zugegeben, dass es vor der Entscheidung über die Absetzung keine ausreichenden Gespräche zwischen den Verantwortlichen gegeben habe. In einer schriftlichen Erklärung gibt er sich selbstkritisch: „Bei rückblickender Betrachtung wäre wahrscheinlich ein ausführlicher Diskurs zwischen allen Beteiligten vor einer Entscheidung zielführend gewesen.“

Sollte „Idomeneo“ (in Kooperation mit der Polizei) wieder auf den Spielplan gesetzt werden, aus dem zunächst geplanten Besuch aller Teilnehmer der ersten deutschen Islamkonferenz wird doch nichts. Der Chef des Islamrats, Ali Kizilkaya, will nicht an der Seite von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) der Musik lauschen: „Das muss ich mir nicht antun. Kunstfreiheit heißt nicht, dass man sich alles anschauen muss.“ (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 30. September/1. Oktober)

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