Mehr Jobs, mehr Schulungen

12. Oktober 2006, 17:54
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255.752 Menschen im September ohne Arbeit - 10.000 Personen mehr in Schulung, 196.500 Arbeitslose

Wien - Die Zahl der Arbeitslosen in Österreich ist im September um rund elf Prozent auf 196.500 gesunken. Gleichzeitig stieg die Zahl der Schulungen um ca. 20 Prozent auf 59.252. Personen in Schulung werden nicht als Arbeitslose erfasst.

Inklusive Schulungsteilnehmer hatten im September 255.752 Menschen keine Arbeit. Die Arbeitslosenquote nach Eurostat beträgt 4,8 Prozent.

Die Zahlen sind gerundet, die endgültigen Zahlen werden Samstagvormittag vom Wirtschaftsministerium veröffentlicht. Unmittelbar vor der Nationalratswahl wurden heute die Zahlen erstmalig vor dem üblichen Stichtag veröffentlicht.

Bartenstein: "Trendwende"

Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein (ÖVP) meinte in einer Aussendung, dass sich die "Trendwende" am Arbeitsmarkt "nachhaltig bestätigt" habe. "Die Zahl der Arbeitslosen sinkt noch schneller als in den Monaten zuvor. Wir sind auf dem Weg zur Vollbeschäftigung", so der Minister.

Im Vorfeld der vorgezogenen veröffentlichung entbrannte zwischen ÖVP und SPÖ einmal mehr ein hitziges Wortgefecht. Die SPÖ kritisierte die "Statistik-Schmähs" des Ministers. "Es ist leicht vorauszusagen, dass Bartenstein heute zum 15. Mal seit dem Jahr 2000 die Trendwende am Arbeitsmarkt ausrufen wird. Leider entspricht das nicht der Realität", erklärt SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures in einer Aussendung.

Tancsits: Rekord bei Jobs - und bei Schulungen

In einer Aussendung von ÖVP-Sozialsprecher Walter Tancsits hieß es dann, dass sich laut Mikrozensus-Erhebung der Statistik Austria die Lage am Arbeitsmarkt in Österreich im 2. Quartal 2006 im Jahresvergleich merklich gebessert habe. Die Zahl der Erwerbstätigen wuchs demnach um 114.000 auf 3,917.000 Personen, die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-Jährigen erhöhte sich von 68,4 auf 70,0 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen nahm um 17.000 auf 194.000 Personen ab, die Arbeitslosenquote sank von 5,2 Prozent auf 4,7 Prozent, hieß es in der Aussendung weiter. Allerdings gab es auch einen Rekord bei den Schulungen - und Personen ohne Arbeit in Schulung werden nicht als arbeitslos in der Statistik geführt.

In einer Reaktion auf die Aussendung von SP-Geschäftsführerin Bures sprach Tancsits von einer "Trendwende-Phobie" der SPÖ.

SPÖ: "Desaster"

Diese hielt aber dagegen: Die Regierung Schüssel habe nach sechs Jahren arbeitsmarktpolitischem Versagen ein "Desaster am Arbeitsmarkt" hinterlassen. Im ersten Halbjahr 2006 habe es um fast 5.000 Arbeitssuchende mehr als im ersten Halbjahr 2005 gegeben. Im entsprechenden Zeitraum sei auch die Zahl der jungen Arbeitslosen um 1.070 Personen angestiegen. Seit August 2000 sind 71.836 Personen (inkl. Schulungen) zusätzlich arbeitslos geworden, ein Anstieg von 40 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit sei im selben Zeitraum um 80 Prozent (23.580 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren) gestiegen.

"Erschreckend" sei auch der Anstieg der von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen - also jener Menschen, die zumindest einmal im Jahr arbeitslos gemeldet sind - von unter 700.000 im Jahr 2000 auf über 800.000 im Vorjahr. Überdies würden die Zahlen heute laut Bures vom Wirtschaftsministerium "erstmals vor dem Stichtag" präsentiert.

Schulungteilnehmer verdoppelt

"Heute werden mehr als doppelt so viele Arbeitslose in Schulungen versteckt als im Jahr 2000", so die SP-Abgeordnete weiter. Schüssel habe am 1. Jänner 2001 erklärt, das ehrgeizige Ziel, Vollbeschäftigung für das Land zu erringen, werde in den nächsten zwei Jahren möglich sein und erklärt, "zumindest 97 Prozent aller Österreicher sollen immer Arbeit haben", maximal drei Prozent würden arbeitslos sein.

Tatsächlich habe die Arbeitslosenquote im Durchschnitt des vergangenen Jahres 7,1 Prozent betragen. Im 1. Halbjahr 2006 waren durchschnittlich über 60.000 Jugendliche auf Arbeitsuche, dazu kommen rund 20.000 Jugendliche, die eine Lehrstelle in einem Betrieb brauchen, so Bures. In Schüssels Regierungszeit sei die Altersarbeitslosigkeit um über 10 Prozent gestiegen. (APA/red)

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