Ruth Weiss-Festival in Wien

10. Oktober 2006, 19:26
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Jazz-Poetin einen Monat lang bei einer Reihe von Veranstaltungen zu Gast

Wien - Geboren 1928 in Berlin, aufgewachsen in Wien, vor den Nazis in die USA geflüchtet und dort zur "Göttin der Beat-Generation" avanciert: Ruth Weiss bekommt am 3. Oktober in Wien die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt verliehen. Die rastlose Jazz-Poetin wird anschließend etwa einen Monat lang bei diversen Veranstaltungen in Wien zugegen sein. Nicht zuletzt auf Grund ihrer Roma-Wurzeln präsentiert das roma.theater.exil drei One-Act-Plays von Weiss ab 5. Oktober im dietheater Künstlerhaus.

1998 hatte sie ihr Weg nach rund 60 Jahren in den USA zum ersten Mal wieder nach Wien geführt, damals unterrichtete sie für die "Schule für Dichtung". Seitdem ist sie immer wieder einmal zurückgekehrt und hat ihre Erinnerungen an die Stadt in ihrem biografischen Buch "full circle" - mit alter und neuer lyrischer Prosa - niedergeschrieben. Nun ist Ruth Weiss von 3. bis 31. Oktober auf Initiative des Zentrums für interkulturelle Kultur und Antirassismusarbeit exil erneut in Wien, um ihr zweifellos modernes und zeitloses Werk im Literaturhaus Wien, in der Roten Bar im Volkstheater, im Amerlinghaus und im Museum für Angewandte Kunst (MAK) ihrem Publikum vorzustellen.

"No Dancing Aloud"

Den Beginn macht jedoch das Theaterprojekt "No Dancing Aloud" des roma.theater.exil, das am 5., 7. und 10. Oktober um 20 Uhr im dietheater Künstlerhaus zur Aufführung gelangt. Unter der Regie von Karol Csino und Christa Stippinger entfaltet sich eine Collage rund um die "Suche einer Heimat in sich selbst". Rund um diese Vorführungen veranstaltet Weiss gemeinsam mit dem roma.theater.exil vormittags Workshops für Schulklassen.

Im Literaturhaus stellt die Künstlerin am 18. Oktober (20 Uhr) ihr Buch "No Dancing Aloud - Plays and Poetry" (Edition exil, 2006) vor - mit einer Jazz-Poetry-Performance. Martin Brunner begleitet sie am Kontrabass, Literatur-Experte Horst Spandler hält einen Vortrag zu Weiss und der Sprache der Beat-Generation, die sich "meist unmittelbar erschließt, weil sie sich am Klang des gesprochenen Wortes orientiert". Wie sich das anhört, kann man auch am 25. Oktober in der Roten Bar überprüfen, wo sie ab 21 Uhr - begleitet von Saxofon, Bass und Percussion - auftritt.

Weitere Veranstaltungen

Workshops für Schulklassen zum Kompositionsprojekt "prometheus variation" gibt es am 16., 20., 24. und 30. Oktober im Amerlinghaus, wo Weiss erneut mit Martin Brunner und Koloman Polak (Percussion) unter dem Motto "ones own voice" in Aktion ist.

Abschließend steht die MAK-Nite am 31. Oktober mit dem Kompositionsprojekt "her number was not called" ganz im Zeichen der Künstlerin. Zu drei Texten von Weiss spielen Musiker des Goldberg Ensembles und des Klangforums Wien, auch ein Auftritt von ihr selbst steht am Programm. Unmittelbar davor wird im Videoraum des MAK Weiss' einziger Film "The Brink" präsentiert.

"Jazz in Words"

Der Autor Jack Hirschmann meinte einst, dass andere nur zu Jazz oder über Jazz schrieben: "Ruth Weiss writes Jazz in Words." Dies machte sie in den 50er Jahren zu einer Ikone der Beat-Generation neben Leuten wie Allen Ginsberg, Lawrence Ferlinghetti oder Alexander Trocchi. Legendär wurden ihre Jazz-Poetry-Performances im Club "The Cellar" in San Francisco. Heute lebt und arbeitet die Autorin, Performerin, Schauspielerin und Dramatikerin in Kalifornien, in zwei Jahren feiert sie ihren 80. Geburtstag. Bei der Viennale sind am 24. Oktober ihre künstlerischen Zeitgenossen rund um Ginsberg (und auch dem Österreicher Ernst Jandl) bei einem Beat-Auftritt in der Royal Albert Hall im Film "Wholly Communion" von Peter Whitehead zu sehen. (APA)

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