"Grubers Wohnzimmer" holt Kreative auf den Boden

13. Oktober 2006, 13:11
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"Werber sind anders" - Jung von Matt über das Spannungsfeld der coolen Werbebranche und die Annäherung an "Otto Normalverbraucher"

"Werber sind anders. Sie ziehen sich anders an, wohnen in coolen Lofts oder alten Kirchen und fahren weiße Geländewagen", berichtet der deutsche Werbeagenturboss Jean-Remy von Matt aus dessen Gedankenpool Slogans wie "Geiz ist geil" entsprungen sind. Das Dilemma der ach so coolen Werbebranche: Sie sollen Lösungsideen für "Otto Normalverbraucher" finden. Im Rahmen der Österreichischen Medientage erzählte von Matt, wie er dieses Spannungsfeld überbrückt und seine Kreativen auf den Boden holt, nämlich mit der Erfindung des "häufigsten Wohnzimmers".

Matt mit schniekem Wohnzimmer

Franz (43), Maria (40) und Michael (13) Gruber sind Österreichs häufigste Familienkonstellation. Ihr Wohnzimmer findet sich im schnieken Eigenheim, der Boden ist mit Buchen-Laminat verlegt und ein wuchtiger Wandverbau steht in der Ecke. Gegenüber haben die Grubers die Sitzgruppe mit dem sehr blauen Sofa aufgestellt. Unter dem Tisch liegt die aktuelle TV-Zeitung, vor dem Fernseher Michaels Playstation, auf dem Schrank stehen die Fußballpokale des Vaters. Es gibt ein ausklappbares Sofabett - für Gäste, die dort aber so gut wie nie untergebracht werden - sowie eine Bügelecke für Maria. So sieht Österreichs häufigstes Wohnzimmer aus - nachgestellt ist es in der österreichischen Tochterfiliale der Werbeagentur Jung von Matt in Wien.

"Durchschnittsfamilien"

Dieser ganz normale Durchschnitt wurde von den Werbern in monatelanger Recherchearbeit erhoben, erklärte von Matt. Nichts steht zufällig an seinem Platz. Jedes Einrichtungsstück ist durch zahlreiche Studien und Statistiken abgesichert, auch reale "Durchschnittsfamilien" wurden besucht, um den Buchbestand oder CD-Vorlieben zu ermitteln. Das deutsche Pendant der Familie Müller ist in Hamburg zu finden.

"Die Normalität erleben"

Dieses fiktive Wohnzimmer der Müllers sei mittlerweile zum Wallfahrtsort für Marketingchefs, Prominente und Werber geworden, die hier "die Normalität erleben", so von Matt. Selbst der ehemalige deutsche Bundeskanzler verbrachte bereits mehr als eine Stunde "bei den Müllers", um der durchschnittlichen Bevölkerung näher zu kommen und auch das eine oder andere Detail aus seinem eigenen Reihenhaus wiederzuerkennen.

Beliebte Konferenzräume

Die "häufigsten Wohnzimmer" sind mittlerweile beliebte Konferenzräume und effektive Denkstuben für die Kreativen und haben ganz nebenbei auch noch einen beträchtlichen Werbewert für die Agentur Jung von Matt: Durch die Medien-Berichterstattung und die öffentliche Aufmerksamkeit hat allein das deutsche Wohnzimmer eine Werbewirkung von einer Million Euro erzielt. (APA)

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