Bulgare beleidigt im EU-Parlament Roma-Abgeordnete

10. Oktober 2006, 19:40
19 Postings

EVP-Chef Pöttering fordert Abzug des Ultranationalisten

Straßburg - Mit rassistischen und sexistischen Äußerungen über die ungarische Roma-Abgeordnete Livia Jaroka hat ein bulgarischer Parlamentarier im Europaparlament für einen Eklat gesorgt. Der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Hans-Gert Pöttering (CDU), forderte Bulgarien am Freitag auf, den Abgeordneten der ultra-nationalistischen Ataka-Partei, Dimitar Stojanow, aus dem Parlament abzuziehen. Seine Fraktionskollegin Doris Pack, Vorsitzende der EVP-Frauengruppe, sprach von "unverfroren sexistischen und rassistischen Äußerungen". Jaroka wurde im Mai 2004 ins Europaparlament gewählt, wo sie der EVP-Fraktion angehört.

Stojanow, der seit einem Jahr im Europaparlament einen Beobachter-Status hat, hatte am Donnerstag an alle Europaabgeordneten ein E-Mail geschickt. Darin protestierte er gegen den Vorschlag einer in Brüssel erscheinenden Parlamentszeitung, Livia Jaroka, der "ersten Roma-Frau, die ins Europaparlament gewählt wurde", den diesjährigen Preis der "besten EU-Abgeordneten" zuzuerkennen. In seinem Mail schrieb der Bulgare unter anderem, in seinem Land gebe es "Tausende von Zigeunermädchen", die viel hübscher seien als Jaroka. Wer wolle, könne sie "für 5.000 Euro das Stück" kaufen.

"Unerträglich"

"Ich erwarte, dass dieser Mann aus dem Europaparlament abgezogen wird", sagte Pack der Nachrichtenagentur AFP. Es sei "unerträglich", dass ein Land, das im Jänner 2007 der EU beitreten solle, "solche Leute als Beobachter entsendet".

Im Europaparlament nehmen seit September vergangenen Jahres 18 bulgarische und 35 rumänische Abgeordnete als Beobachter an den Sitzungen teil. Sie sollen sich auf diese Weise rechtzeitig vor dem für Jänner geplanten Beitritt der beiden Länder mit der Arbeit der EU-Volksvertretung vertraut machen. Die Beobachter werden von den nationalen Parlamenten als Delegierte entsandt. Es sei daher Sache des Parlaments in Sofia, die Konsequenz zu ziehen und Stojanow aus der Beobachter-Delegation auszuschließen, sagte ein Sprecher des Europaparlaments. (APA)

Share if you care.