Botschafterin McCaw beklagt schlechtes US-Image in Österreich

3. Oktober 2006, 12:40
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Konferenz "Das US-Image und die Medien" in Wien - US-Professor: Profitorientierung von US-Medien "Gefahr für Demokratie"

Wien - Die USA haben in Österreich und im Rest Europas ein Imageproblem. Dies sagte die US-Botschafterin Susan McCaw am Freitag in der Eröffnungsrede der eintägigen Konferenz "Das US-Image und die Medien" im Amerikahaus in Wien. "Die jüngere Generation in Österreich hat ein Informationsdefizit über die USA", sagte die Diplomatin. Es ginge ihr insbesondere darum, dass diese Generation, die in der Zukunft die Führung im Land übernehmen werde, über die USA informiert werde.

Während 1955 noch die Mehrheit der Österreicher ein positives Bild von den USA gehabt hätten, würden 2004 laut Fessel-GfK nur 15 Prozent der Österreicher eine gute Meinung von den USA haben, erklärte der Politikwissenschafter und Meinungsforscher Peter Ulram laut Redetext. Dem stünden 52 Prozent gegenüber, die eine schlechte Meinung hätten. Nun stelle sich die Frage, ob sich das Objekt der Betrachtung, die USA, oder der Betrachter, Europa, verändert hätten, meinte Ulram.

Schuld hat das europäische Publikum

Die Verschlechterung des Images sei hauptsächlich, aber nicht ausschließlich auf die Veränderung des europäischen Publikums zurückzuführen, so Ulrams These. So seien der Missionseifer der US-Politik, das Konsumverhalten, die Betonung der Militärmacht und der freien Marktwirtschaft in den USA nichts Neues. Da sich Europa seit den 50er und 60er Jahren auch verändert habe, seien die USA kein Objekt der Bewunderung mehr. Der Fall des Eisernen Vorhangs habe überdies den Schutz durch die USA obsolet gemacht.

David Carlson, Professor für Neuen Medienjournalismus von der Universität Florida, fand kritische Worte zur Entwicklung der Medienlandschaft in den USA. Es gehe heute im Medienbereich vor allem um Profit, was eine "echte Gefahr für die Demokratie" darstelle. Während früher Familienbetriebe mit Rücksicht auf lokale Gegebenheiten Zeitungen herausgaben und sich mit einer Gewinnspanne von 5 bis 10 Prozent zufrieden gaben, würden heute weit entfernte Aktieninhaber 20 bis 30 Prozent Gewinn fordern. Dieser wirtschaftliche Druck habe zu einer Reduzierung der Zahl der Journalisten, zu einer Verringerung des Auslandsteils in Zeitungen und zur Erhöhung der Anzeigenpreise geführt.

Änderung der Ethik im Journalismus gefordert

Carlson forderte eine Änderung der Ethik im Journalismus. Die Grenzen zwischen Nachrichten, Meinungen, Werbung und Unterhaltung würden unklarer. "Meinungen werden als Nachrichten verkauft", kritisierte der Journalist. In seinen Augen sei es nicht das Problem, dass der US-Nachrichtensender "Fox-News" nicht fair und ausgeglichen sei, sondern, dass er dies nicht zugebe.

Um den Finanzierungsnöten von Medien, die sich dem Ethikkodex verpflichten, entgegenzuwirken, könnte Carlson sich vorstellen, nach dem Modell von Fonds, die sich dem Umweltschutz verpflichten, auch Fonds zur Unterstützung von Medien einzurichten. "Wenn diese Umweltfonds erfolgreich sind, warum könnten solche Fonds auch nicht für Medien eingerichtet werden", fragte Carlson. Dem Ethikkodex der Gesellschaft Professioneller Journalisten (SPJ) unterwerfen sich freiwillig Tausende von Schriftstellern, Redakteure und Medienexperten. Im Mittelpunkt stehen dabei das Streben nach Wahrheit und das unabhängige Agieren. (APA)

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