Medienbericht: Ötzis Fundort war in Nordtirol

6. Oktober 2006, 14:34
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Grenze zwischen Österreich und Italien soll einst fehlerhaft gezogen worden sein

Innsbruck - Auch 15 Jahre nach ihrer Auffindung am Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen sorgt die Gletschermumie Ötzi weiter für Diskussionen: Nach Angaben der "Tiroler Tageszeitung" vom Freitag wurde der Steinzeitjäger nicht auf Süd-, sondern auf Nordtiroler Gebiet entdeckt. Durch eine fehlerhafte Grenzziehung, die nicht dem Staatsvertrag von 1919 zwischen Italien und Österreich entsprochen habe, sei der Fundort der 5.300 Jahre alten Mumie im Dezember 1991 italienischem Staatsgebiet zugeordnet worden.

Ein am 1. September 2006 in Kraft getretener Grenzvertrag zwischen Österreich und Italien habe die Debatte ins Rollen gebracht, berichtete die "TT". 87 Jahre nach dem Staatsvertrag von St. Germain, wo die Teilung Tirols beschlossen und die neue Grenze gezogen wurde, definiere das Gesetz endgültig die Grenzziehung.

Protokoll

Nach einer Vermessung sei am 1. Oktober 1991 festgestellt worden, dass Ötzi 92,55 Meter von der Staatsgrenze entfernt auf italienischem Gebiet gefunden worden sei. Doch so eindeutig sei dies nicht gewesen, wie ein Protokoll vom Dezember 1991 über die "Besprechung zur Klärung der im Zusammenhang mit der territorialen Zugehörigkeit der Fundstelle des Mannes vom Hauslabjoch aufgetretenen Fragen" beweise. An der Besprechung hätten unter anderem Vertreter des Außen- und Wirtschaftsministeriums sowie der Tiroler Landesregierung teilgenommen.

Laut Staatsvertrag hätte die Grenze im Bereich Klopaier Spitze bis zum Gipfel der Dreiherrnspitze eigentlich entlang der Wasserscheide verlaufen müssen. Doch der Grenzregelungsausschuss habe sich nicht daran gehalten. Eine Ausbuchtung sei 1922 einfach durch eine gerade Linie ersetzt worden. Dadurch sei 70 Jahre später Ötzis Fundort in Italien gelegen.

Diskussion

Die fehlerhafte Grenzziehung sei bei der Besprechung am 17. Dezember 1991 deutlich zur Sprache gekommen. Es sei von einem Grundlagenirrtum die Rede gewesen und davon, dass besagter Grenzregelungsausschuss damals in Unkenntnis der wahren Geländeformation "dennoch die Grenze fehlerhaft gezogen hat".

Über eine Anfechtung der falschen Grenze sei intensiv diskutiert worden, doch vor allem aus politischen Gründen (Südtirol-Autonomie, Europäische Integration, mögliche italienische Gegenforderungen) habe man davon abgesehen. Auf Grund der Besprechung sei erklärt worden, "dass die Fundstelle des Mannes vom Hauslabjoch auf italienischem Staatsgebiet liegt".

Die Diskussion habe allerdings zu der jetzt am 1. September erfolgten Klarstellung geführt. Die dokumentierte "falsche Grenzziehung" durch die Grenzregelungsausschüsse sei anerkannt worden. (APA)

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