Vier Urteile im "Seegrotte"-Prozess beeinsprucht

3. Oktober 2006, 14:44
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Staatsanwaltschaft ging in Berufung - Nur Freispruch für Betriebsleiter rechtskräftig

Wiener Neustadt - Das Bootunglück in der Seegrotte Hinterbrühl (Bezirk Mödling), das zu Pfingsten 2004 fünf Todesopfer gefordert hat, wird das Oberlandesgericht Wien beschäftigen: Nach dem Prozess in Wiener Neustadt, der im Mai mit drei Schuld- und zwei Freisprüchen endete, hat die Staatsanwaltschaft laut der Tageszeitung "Kurier" nun in vier Fällen strengere Strafen gefordert und berufen.

Rechtskräftig wurde demnach nur der Freispruch für den Betriebsleiter (52) der unterirdischen Touristenattraktion im Wienerwald, jenen für den Bootsführer (35) akzeptierte die Staatsanwaltschaft nicht. Der fahrlässigen Gemeingefährdung angeklagt waren insgesamt fünf Personen. Die Geschäftsführerinnen (67 und 65) und der mit der Prüfung des Bootes befasste Landesbeamte (53) wurden im Mai zu je 15 Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt.

Fünf Tote

Die Führungen durch das ehemalige Gipsbergwerk beinhalten eine Fahrt auf dem etwa 1,20 Meter tiefen See, der 1912 nach einer Sprengung entstanden war. Am 31. Mai 2004 kenterte ein vollbesetztes Boot, das zuvor elf Jahre lang insgesamt 80.000 Runden ohne irgendwelche Zwischenfälle absolviert hatte. Ein Ehepaar und drei Frauen, Mitglieder einer deutschen Reisegruppe, ertranken.

Überlebende Passagiere sagten im Verlauf des Verfahrens am Landesgericht Wiener Neustadt mehrheitlich aus, dass sie bereits beim Einsteigen eine extreme Schräglage beunruhigt habe. Der Gutachter stellte gravierende Konstruktionsmängel und ein überhöhtes Gesamtgewicht durch den nachträglichen Einbau von stärkeren Batterien fest, das durch eine Reduktion der Sitzplätze von 28 auf 24 hätte ausgeglichen werden müssen. Im maßstab- und gewichtgetreuen Modellversuch führte er vor Augen, dass das Boot beim leichten Anschubsen kenterte.

Den Geschäftsführerinnen wurde in der Urteilsbegründung mangelhafte Ausbildung des Bootführers angelastet. Der Beamte hätte bei der Konzessionsverlängerung im Jahr 2003 nicht erkannt, dass die Angaben bei der Erstzulassung des Bootes nicht mit den Gegebenheiten übereinstimmten. (APA)

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