US-Kongressauschuss rügt HP-Manager

6. Oktober 2006, 14:04
posten

Weiterer Rücktritt bei dem IT-Unternehmen - Ex-Direktoriumsvorsitzende Dunn weist Verantwortung zurück

Im Spionageskandal bei Hewlett-Packard (HP) hat ein US-Kongressauschuss am Donnerstag die Konzernführung gerügt. Die bereits zurückgetretene Direktoriumsvorsitzende Patricia Dunn und andere Manager hätten sich bei ihrem Vorgehen auf unzureichende Informationen zu Gesetzesgrundlagen verlassen, sagte der Vorsitzende des Handels- Unterausschusses des Repräsentantenhauses, Edward Whitfield. Demnach sei HP davon ausgegangen, dass die angewandte Praxis legal gewesen sei.

Abhören

Detektive hatten im Auftrag von HP falsche Identitäten vorgetäuscht, um an Telefondaten von Mitarbeitern und Journalisten zu gelangen. Mit der Untersuchung wollte der Drucker- und Computerhersteller Fälle von Datenspionage und die Weitergabe von Firmeninterna aufklären. Wegen der Affäre trat zuletzt auch Firmenanwältin Ann Baskins zurück.

Dunn wies vor dem Ausschuss alle Verantwortung für die umstrittenen Untersuchungen von sich. Sie habe geglaubt, der Finanzchef von Hewlett-Packard (HP), Bob Wayman, habe das Vorgehen abgesegnet, erklärte sie.

Vermittlung

Dunn zufolge schickte Wayman – damals auch amtierender HP-Chef – sie 2005 zum Leiter der HP-Sicherheit. Dieser wiederum habe sie zu dem privaten Ermittler geschickt, um die "undichte Stelle" im Führungsgremium zu finden. "Ich nahm an, dass Mr. Wayman alle Arbeiten autorisiert hatte." Schließlich sei Wayman in seiner Position letztendlich für die Sicherheit verantwortlich gewesen und habe besonders deutlich auf die Kontrolle undichter Stellen beharrt. Auch während der Untersuchungen sei ihr versichert worden, dass die angewandten Methoden legal seien. HP dementierte, dass Finanzchef Wayman in die Affäre verwickelt sei: "Alle Vermutungen von Frau Dunn über Bob Waymans Beteiligung waren nichts weiter als das: Vermutungen."

Andere vor den Ausschuss geladene Mitglieder des Managements machten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch – darunter auch die gerade zurückgetretene Baskins. Auch Firmenchef Mark sollte vor dem Ausschuss aussagen. Er war im Zuge der Affäre unter Druck geraten und musste seine Beteiligung einräumen. Die Unternehmensführung stand jedoch bei einer Sitzung des Direktoriums am Mittwoch nach Angaben eines Teilnehmers hinter ihm, eine Diskussion über einen Rücktritt habe es nicht gegeben.

Unentschuldbar

Über die angewandten Methoden wird derzeit im Kongress heftig debattiert. "Ich verstehe, dass es nötig ist, geheime Informationen geheim zu halten. Aber so weit zu gehen, um zu sehen, wer möglicherweise etwas ausplaudert – dafür gibt es einfach keine Entschuldigung", sagte der republikanische Abgeordnete Greg Walden zu Beginn der Anhörung. Ein Gesetzesvorschlag, der dieses so genannte "Pretexting" zu Straftat erklärt, liegt beiden Kammern vor. Eine Entscheidung dürfte sich jedoch noch hinziehen. (APA/Reuters)

Share if you care.