Viennale Filmtipps
von 14. bis 24.10.

24. Oktober 2006, 14:27
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14. 10.

Urania, 16.00: Tarachime (Birth/Mother) / Svyato Zwei neue Arbeiten von Viennale-Stammgästen: Seit der Geburt ihres Kindes führt die japanische Regisseurin Naomi Kawase (Letter From A Yellow Cherry Blossom) ein sehr persönliches filmisches Tagebuch: Sie dokumentiert darin nicht nur jeden Tag im Leben des Babys, sondern auch das Verhältnis zu der Frau, die für sie immer wie eine Mutter war - ihre 90-jährige Großmutter. Im Vorfilm Svyato lässt uns der russische Dokumentarfilmemacher Viktor Kossakovsky (Tishe!) an einer bedeutenden (früh-)kindlichen Entdeckung teilhaben: Ein Kleinkind begegnet zum ersten Mal seinem Spiegelbild.
Wh.: 15. 10., Urania, 18.30

Künstlerhaus, 23.00: Romance & Cigarettes. Nick und Kitty leben bescheiden, aber glücklich - zumindest bis Kitty erfährt, dass ihr Mann sie mit einer Verkäuferin betrügt. Als sie ihn daraufhin vor die Tür setzt, nimmt in John Turturros dritten Spielfilm kein Ehedrama seinen Lauf, sondern ein Musical seinen Anfang.
Wh.: 15. 10. 20.30, Gartenbau

Stadtkino 23.00: In Between Days Aimie kommt mit den Veränderungen in ihrem Leben nicht zurecht. Weder mit ihrer neuen Heimat Kanada noch mit der Tatsache, dass sich ihre Eltern getrennt haben. Als sie sich dann auch noch in Tran, ihren einzigen Freund, verliebt, verschweigt sie ihm ihre Gefühle aus Angst, sie könnte auch noch seine Freundschaft verlieren. In ihrem Debütfilm zeichnet die gebürtige Südkoreanerin Kim So Yong, die selbst Ende der 1970er-Jahre als Elfjährige in die Vereinigten Staaten emigrierte, ein stilles und einfühlsames Porträt jugendlicher Lebenswelten.
Wh.: 16. 10., Stadtkino, 13.00

15. 10.

Gartenbaukino, 18.00: Toi et Moi So unterschiedlich die Schwestern Léna (Marion Cotillard) und Ariane (Julie Depardieu) auch sind, in Sachen Liebe stehen sie vor dem gleichen Problem: Es gilt sich zu entscheiden, ganz allgemein zwischen Vernunft und Abenteuerlust und konkret zwischen zwei Männern. Julie Lopes-Curvals romantische Komödie, der zweite Langspielfilm der Französin, verlässt mitunter den Boden der Realität, um die Suche nach der wahren Liebe aus dem subjektiven (und manchmal verträumten) Blickwinkel der beiden Frauen zu erzählen.
Wh.: 19. 10., Metro, 21.00.

Stadtkino 20.30 News from Home / News From House. Nach 25 Jahren kehrt der israelische Filmemacher Amos Gitai an den Schauplatz seines Dokumentarfilms House zurück. Mit dem Haus, das auf einer archäologischen Stätte in Westjerusalem rekonstruiert wurde, sind Familiengeschichten ebenso verbunden wie die politische Geschichte des Landes.
Wh.: 16. 10. 16.00, Urania

16. 10.

Gartenbaukino, 20.30: Sehnsucht Markus hat seine Jugendliebe geheiratet und ist glücklich mit ihr. Auf einem Betriebsausflug lernt er eine andere Frau kennen und nichts ist mehr so, wie es war. Ausschließlich mit Laien besetzt, erzählt Valeska Grisebachs Film von der Sehnsucht nach einem intensiveren Leben und anderen Möglichkeiten.
Wh.: 17. 10. 13.00, Künstlerhaus

17. 10.

Präsentation/Lecture Ein ungewöhnliches Buch zu einem außergewöhnlichen Film wird am 17.10 um 18.00 in der Festivalzentrale in der Urania präsentiert: 93 Autoren und Autorinnen (analog zu 93 Filmminuten) haben in Minutentexte über Charles Laughtons "The Night of the Hunter" geschrieben, der am darauf folgen Tag (18.10.) um 20.30 Thema einer sehenswerten Film-Lecture von Robert Gitt im Filmmuseum ist.

Urania, 18.30: Kurz davor ist es passiert. Auf ungewöhnliche Weise nähert sich Anja Salomonowitz' Dokumentarfilm dem Thema Frauenhandel: Die Geschichten von Opfern werden von Menschen erzählt, die direkt oder indirekt mit den Verbrechen zu tun haben (könnten).

Gartenbau 20.30: Montag kommen die Fenster. Das Haus, in das die Ärztin Nina mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter zieht, ist noch nicht fertig. Für Nina ist es kein Zuhause. So macht sie sich auf, ohne ihrer Familie Bescheid zu sagen. Wie der jugendliche Deserteur in Ulrich Köhlers Debütfilm Bungalow bricht auch Nina auf ganz undramatische Weise aus der ihr zugeschriebenen Rolle aus. Sie lässt sich treiben, macht eine zufällige Bekanntschaft mit jemanden, der ihr Gefühl, fremd zu sein, teilt und kehrt dann wieder in ihr altes Leben zurück.
Wh: 19.10., Künstlerhaus 13.00

Viennale Zentrale, ab 22.00: Musik. Dienstag Abend teilt im Rahmen von Filmemachern an den Plattentellern Ulrich Köhler (Montag kommen die Fenster) gemeinsam mit anderen RegisseurInnen seine musikalischen Vorlieben mit dem Viennale Publikum.

18. 10.

Gartenbau, 18.00: Quei loro Incontri. Cesare Paveses "Dialoghi con Leucò" sind ein weiteres Mal Ausgangspunkt eines Films von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet. Laiendarsteller rezitieren vor dem Hintergrund von Naturlandschaften Dialoge, in denen Götter über Menschen sprechen.
Wh.:22. 10. 13.00, Stadtkino

Metro 21.00: Nicht mehr fliehen - Programm 5. Im fünften Programm der vom Avantgardefilmemacher Hans Scheugl kuratierten Filmschau des Filmarchiv Austria zum Filmemacher Herbert Vesely und dessen Einfluss auf den neuen deutschen Film sind neben Veselys Autobahn selten gezeigte Arbeiten aus der BRD der 60er-Jahre zu sehen: Kurze Filme zu den Themen Automobil, Mobilität, Dynamik und der mit ihnen einhergehende - rasche - Wandel einer Gesellschaft von Alexander Kluge, Wim Wenders, Edgar Reitz, sowie Jean-Marie Straub und Danièle Huillet.

19. 10.

Gartenbau, 13.00: My Country, My Country Acht Monate hat die US-amerikanische Dokumentarfilmerin Laura Poitras im Irak verbracht und ein zutiefst gespaltenes Land kennen gelernt. Während dieser Zeit hat sie den sunnitischen Arzt Dr. Riyadh mit ihrer Kamera begleitetet, bei seinen Besuchen von Gefangenen in Abu Ghraib, bei seinen Gesprächen mit US-Soldaten und zuhause mit seiner Familie und durch ihn Einblick in den, von Angst und Chaos beherrschten, Alltag in Bagdad gewonnen.
Wh.: 22.10., Metro, 21.00

Künstlerhaus, 23.00: A Scanner Darkly. Der Name der Droge ist kurz, ihre Wirkung weit reichend. Einmal eingenommen, macht es "D" unmöglich, zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden. Richard Linklater verfremdet erneut einen mit realen Personen gedrehten Film zu einem Trickfilm.
Wh.: 24. 10. 20.30, Gartenbau

20. 10.

Gartenbaukino, 01.00: Masters of Horror. Zwei Großmeister des Horrorgenres, John Carpenter und Dario Argento, präsentieren ihre Beiträge zur Masters-of-Horror–Reihe: Einmal ist es ein Stück Filmstreifen ("Cigarette Burns"), dann eine Frau ("Jenifer"), von denen eine Faszination ausgeht, die zwangsläufig ins Verderben führt.
Wh: 21. 10. 13.30, Urania

Filmmuseum, 21.30: Sans toit ni loi Mona (Sandrine Bonnaire) hat ein Leben in absoluter Freiheit gewählt, ohne Verpflichtungen, ohne ein Zuhause. Sie bleibt, bei wem sie will, so lang sie will und zieht dann weiter. Mit ihrer radikalen Verweigerung von gesellschaftlichen Normen stößt sie ihre Mitmenschen vor den Kopf. Doch Mona verfolgt ihren Weg weiter, kompromisslos, bis zu seinem – unvermeidlichen – Ende. Schon am 19. 10. zum Screening von "Lion's Love" (gemeinsam mit Viva) und am 20. 10. steht Regisseurin Agnès Varda, die anlässlich der ihr und Jacques Demy gewidmeten Retrospektive im Filmmuseum angereist ist, nach den Screenings ihrer Filme für Publikumsgespräche zur Verfügung.

Diskussion/Konzert Am 20. 10. um 17.00 diskutiert die Journalistin Cristina Nord (taz) in der Viennale Zentrale in der Urania mit Anja Salomonowitz ("Kurz davor ist es passiert") Andrina Mracnikar ("Der Kärntner spricht Deutsch") und Patric Chiha ("Home") zum Thema "Österreichbilder: Eine Spurensuche". Ab 22.00 kann man ebendort im Rahmen des Mini-Festivals der deutschen Popzeitschrift Spex die zweiköpfige Band Urlaub in Polen entdecken, die ihr Album "Health & Welfare" vorstellt. Danach wird – in bester Viennaletradition – DJ Tobias Thomas die Tanzflächen füllen.

21. 10.

Man Push Cart In seiner Heimat Pakistan war Ahmad ein ziemlich berühmter Popstar, in New York zieht er wahlweise mit Kaffee und Donuts oder raubkopierten Filmen durch die Straßen, um seinem Sohn ein besseres Leben bieten zu können. In seinem zweiten Spielfilm zeichnet der junge Ramin Bahrani, der selbst als Sohn von iranischen Immigranten in den USA aufgewachsen ist, ein präzises und berührendes Portrait jener Menschen, die in einer Großstadt allerorts anzutreffen sind und doch immer übersehen werden.
Metro, 11.00

Masters of Horror John Landis und Joe Dante haben als Regisseure von Komödien Berühmtheit erlangt, für die Masters-of-Horror-Reihe des US-TV-Senders showtime wechselten sie ins gruselige Fach. Das Ergebnis: Ermordete Männer. In John Landis’ Beitrag ist es der rätselhafte Fund von schrecklich zugerichtet Männerleichen, der die Ermittler auf die indianische Legende der Deer Woman bringt, und in Joe Dantes Homecoming sind es gefallene Soldaten, die zurück gekommen sind um an den Wahlen teil zu nehmen.
Gartenbau, 01.00 (=Nacht vom 21. auf den 22. 10.)
Wh: 22.10., Urania, 13.30

22. 10.

Stadtkino, 15.30: In the Beginning was the Image – Conversations with Peter Whitehead. Mit einem Tribute würdigt die diesjährige Viennale das beinahe in Vergessenheit geratene Werk des Underground- und Dokumentarfilmers Peter Whitehead. In einer dreistündigen Dokumentation nähert sich auch der Brite Paul Cronin dem Leben und der Arbeit Whiteheads an.

23. 10.

Metro, 21.00: Sa-kwa. Hyun-Jung sucht die Unabhängigkeit, sie löst sich aus einer langjährigen Beziehung, um wenig später erst recht eine Familie zu gründen. Doch die alten Probleme bleiben die gleichen. Auf tragischkomische Weise schildert der Südkoreaner Kang Yi- Kwan in seinem Debüt das Leben seiner Generation zwischen Tradition und Moderne.
Wh: 25. 10. 11.00, Urania

Peter Whitehead’s Rock and Pop Promos and Films 3 In den späten 60er-Jahren drehte der Dokumentarfilmer Peter Whitehead unter anderem Rock und Pop Promos für die erst kürzlich eingestellte BBC-Sendung Top of the Pops. Seine Musikfilme für Bands wie die Rolling Stones, The Animals und The Small Faces gehören nach wie vor zu den innovativsten und experimentellsten Beispielen eines Genres, das durch den Wandel des Musikfernsehens in eine Endlosschleife von Reality-Show und Werbung vom Aussterben bedroht ist.
Urania, 23.30
Wh: 25. 10., Stadtkino, 23.00

24. 10.

Künstlerhaus, 18.00: Kaleldo (Summer Heat). Die Hochzeit der jüngsten von drei Schwestern an einem heißem Sommertag bildet den Anfang einer Familiengeschichte, die sich aus verschiedenen kleinen, alltäglichen und fast beiläufigen Episoden zusammensetzt. In vier Kapiteln, nach den vier Elementen betitelt, verhandelt der philippinische Regisseur Brillante Mendoza die Veränderungen im Leben der Schwestern und ihres Vaters.
(DER STANDARD, Printausgabe, aus den verschiedenen VIENNALE-Specials)

  • "Kaleldo (Summer Heat)"
    foto: viennale

    "Kaleldo (Summer Heat)"

  • "Toi et moi"
    foto: viennale

    "Toi et moi"

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