Saubere, aber noch teure Lösung für Motoren

6. Oktober 2006, 14:28
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Wissenschafter aus elf Nationen referieren an der TU Graz über Wasserstoff in Verbrennungsmotoren

Graz - Schlimm genug, wenn der Verkehr die Straßen der Stadt verstopft und die Nerven der Autofahrer belastet. Doch die Luft ist rein, denn aus den Auspuffen kommt kein Kohlendioxid mehr, und auch Feinstaubpartikel fehlen. Nur ein Tropfen Wasser fällt dort und da auf den Asphalt. Noch ist das eine reine Utopie. Doch geht es nach über 100 Forschern, die sich bis Freitag zum ersten internationalen Symposium zu wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotoren der Technischen Universität Graz treffen, soll sie Realität werden. An der TU Graz wird am Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik von Helmut Eichlseder und seinen rund 80 Mitarbeitern seit 2002 intensiv an dieser umweltfreundlichen Antriebsmöglichkeit geforscht. Derzeit kommt sie fast ausschließlich bei Großmotoren im stationären Einsatz oder für Lokomotiven und Schiffe zum Einsatz.

Eichlseder räumte vor dem Start des Symposiums am Mittwoch ein, dass Wasserstoff für PKW "sicher nicht kurzfristig zum Einsatz kommen wird", längerfristig ist er aber eine sehr gute Alternative zu den endlichen Energieträgern wie Erdöl und Erdgas. Das Problem sei nicht die Verfügbarkeit von Wasserstoff, sondern "dass er in der Natur nur in Verbindungen vorkommt". So besteht etwa Holzgas bis zu 50 Prozent aus dem Element. Doch ohne aufwendige Verfahren bekommt man es nicht aus den Verbindungen heraus.

Von Graz aus, also in einer Stadt mit einer der schwersten Feinstaubbelastungen Europas, hat sich das Institut gemeinsam mit zwei lokalen Kooperationspartnern - dem Kompetenzzentrum für umweltfreundliche Stationärmotoren (LEC) und dem Hydrogen Center Austria (HyCentA) mittlerweile eine Vorreiterrolle in der Erforschung solcher Verfahren erarbeitet.

Motor mit Guckfenster

Besonders spektakulär ist der Versuchsmotor des Institut, weltweit der erste seiner Art. Der Transparentmotor besitzt einen Zylinder aus Glas, durch den man Verbrennungen und die Art, wie sich Kraftstoffe mischen, beobachten kann. Beobachtungen, die nicht gerade an- und beschaulich sind, da sie sich im Millisekundenbereich abspielen.

Neben den technischen Forschungsergebnissen, die auf dem Symposium präsentiert werden, gibt es aber auch schon handfeste Resultate und Pläne: So wird der bayrische Automobilhersteller BMW, der am Treffen in Graz teilnimmt, schon im Frühling 2007 mit einem mit flüssigem Wasserstoff betriebenen Motor in Serie gehen. Entwickelt wurde er vom Grazer Autobauer Magna Steyr.

Und noch vor dem Individualverkehr könnten die Grazer Öffis den sauberen Treibstoff kennen lernen: In Graz gab es am Mittwoch ein erstes Treffen mit VP-Verkehrsstadtrat, Gerhard Rüsch, der Interesse an einem Wasserstoff-Stadtbus zeigte. In 13 europäischen Ländern sind solche Busse bereits unterwegs.
(Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.9.2006)

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