Heftiger Wahlkampf führt zu ethnischen Spannungen

5. Oktober 2006, 15:35
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Härtere Gangart zwischen den Vertretern der drei Volksgruppen deutet sich an

Banja Luka/Wien – In Bosnien-Herzegowina deutet sich eine härtere Gangart zwischen den Vertretern der drei Volksgruppen an. Am Sonntag werden alle vier Präsidenten und vierzehn Parlamente neu bestimmt. Die größte Aufmerksamkeit gilt dem dreiköpfigen Staatspräsidium, das nach der Verfassung aus einem bosnischem Muslim, einem Serben und einem Kroaten bestehen muss.

Besonders umkämpft ist der muslimische Sitz, den Expremier Haris Silajdžic vom Amtsinhaber Sulejman Tihic erobern will. Tihic von der nationalmuslimisch orientierten "Partei der demokratischen Aktion", gilt als ausgleichender Anhänger des Status quo. Silajdžic hingegen streitet für eine radikal veränderte Verfassung, mit der die Trennung nach nationalen Gebieten – Bosniakisch-Kroatische Föderation und Republika Srpska (RS) – aufgehoben werden soll.

Ein ähnlicher Streit wird um die Präsidentschaft in der RS ausgefochten. Hier tritt Amtsinhaber Dragan Èavic von der nationalistischen "Serbischen Demokratischen Partei" gegen den radikaleren Sozialdemokraten Milan Jelic an. Auch bei den Serben ist ausgerechnet die ehemalige Kriegspartei in der Verfassungsfrage am ehesten kompromissbereit. Die Serben, 31 Prozent der Bevölkerung, wehren sich aber gegen die von den Muslimen (44 Prozent) geforderte Aufhebung der Entitäten. Die 17 Prozent Kroaten sind für die Aufhebung, verlangen aber, wenn das nicht geht, eine dritte Entität für sich.

Der heftige Wahlkampf führt zu ethnischen Spannungen. Im Sommer tauchten in der RS Graffiti gegen Muslime auf, eine Moschee und das Haus eines muslimischen Dichters wurden beschossen und in Konjevic polje kam es zu einer Konfrontation zwischen zurückgekehrten muslimischen Flüchtlingen und der serbischen Polizei. (Norbert Mappes-Niediek/DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2006)

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