Lahoud warf Chirac Einmischung in libanesische Angelegenheiten vor

1. Oktober 2006, 20:08
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Libanons Präsident sei auf Initiative seines französischen Amtskollegen von Frankophonen-Gipfel ausgeladen worden

Paris - Der pro-syrische Präsident des Libanons, Emile Lahoud, hat seinem französischen Amtskollegen Jacques Chirac vorgeworfen, sich in "innere Angelegenheiten" seines Landes zu mischen. Überdies sei er "auf Befehl des französischen Staatsoberhauptes" nicht zum Gipfel der frankophonen Länder eingeladen worden, der gegenwärtig in Bukarest stattfindet, erklärte Lahoud am Donnerstag im französischen Radiosender "France Inter".

"Der Präsident Rumäniens (Traian Basescu, Anm.) macht, was Präsident Chirac von ihm verlangt", sagte Lahoud und fügte hinzu: "Präsident Chirac hatte ihm vor einigen Monaten gesagt, dass er mich nicht einladen sollte. Nun sucht er nach Entschuldigungen, aber das ist nicht die Wahrheit." Basescu hatte demgegenüber betont, dass die Nichteinladung Lahouds eine "persönliche Wahl" gewesen und nicht auf Druck von Paris erfolgt sei. Frankreich dementierte ebenfalls jede Form einer Intervention.

Der libanesische Präsident erklärte weiter, dass seine Nichteinladung zum Gipfeltreffen "eine rechtliche und faktische Einmischung in die interne libanesische Politik" sei. Dadurch "platziert sich der französischen Präsident als eine Teilnehmerpartei am innerlibanesischen Konflikt". "Diese noch nie da gewesene Entgleisung schadet der Frankophonie als Raum der kulturellen Solidarität", beklagte der libanesische Präsident und fügte hinzu: "Dies führt zu einer zumindest überraschenden politischen Abrechnung und bricht mit einer althergebrachten Tradition zwischen unseren Ländern."

Laut Chirac entspricht die Entscheidung von Basescu und des Generalsekretärs der "Internationalen Organisation für die Frankophonie" (IOF), Abdou Diouf, "den Entschlüssen der UNO". Ein UNO-Bericht wies auf die Mitverantwortung syrischer und libanesischer Führungspersönlichkeiten bei der Ermordung des ehemaligen libanesischen Premierministers Rafic Hariri hin. Hariri, ein persönliche Freund Chiracs, war im Februar 2005 umgebracht worden.

Lahoud beanstandete dies im Radiointerview. "Wir hatten vier Berichte, und in keinem dieser Berichte wird mein Name genannt", sagte der libanesische Präsident und fügte hinzu: "Ich hatte als Erster gefordert, dass eine Untersuchung gemacht werde, um die Wahrheit zu wissen, und ich hoffe, dass man den Schuldigen finden wird." Lahoud warf Chirac vor, aus "persönlichen Gründen" zu handeln. "Seit ich gewählt wurde, haben wir Geschichten mit dem Präsidenten Chirac. Er hat Freunde im Libanon und er denkt, dass er seinen Freunden hilft, indem er das macht", sagte Lahoud.

Am zweitägigen Frankophonie-Gipfel von Bukarest, dessen 11. Ausgabe am Donnerstag begonnen hat, beteiligen sich 36 Staats- und Regierungschefs sowie weitere 1.700 Delegationsmitglieder. Die Europäische Union ist durch Kommissionspräsident Jose Barroso und Erweiterungskommissar Olli Rehn vertreten. Die IOF hat 63 Mitglieder, darunter zehn Länder mit Beobachterstatus. Französisch als Mutter- oder Zweitsprache wird von mehr als 170 Millionen Menschen weltweit gesprochen. (APA)

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