Öcalan ruft PKK aus Gefängnis zur Waffenruhe auf

3. Oktober 2006, 16:51
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Zu lebenslanger Haft verurteilter Führer: "Demokratische Lösung des Kurdenproblems wäre Vorbild für andere Länder"

Istanbul - Der in der Türkei zu lebenslanger Haft verurteilte Kurdenführer Abdullah Öcalan hat seine verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu einer Waffenruhe aufgerufen. Das berichtete die prokurdische Nachrichtenagentur Euphrat am Donnerstag nach einem Besuch der Anwälte Öcalans auf der Gefängnisinsel Imrali, wo der PKK-Führer seit sieben Jahren einsitzt.

"Das Blutvergießen sollte jetzt ein Ende haben und dem Frieden eine Chance gegeben werden", hieß es in der Erklärung Öcalans. "Ich appelliere an die PKK, die Waffen niederzulegen", erklärte der PKK-Chef mit Blick auf die jüngsten Anschläge in dem Text, den er seinen Anwälten übergeben hatte. Die PKK sollte keine Waffen benutzen, außer "sie wird angegriffen mit dem Ziel der Vernichtung". Die Anwälte besuchen ihn regelmäßig auf Imrali.

Vorbild für andere Länder

Eine demokratische Lösung des Kurdenproblems in der Türkei könne als Vorbild für andere Länder in der Region dienen, wird Öcalan weiter zitiert. Erst kürzlich hatte die türkische Kurdenpartei DTP (Partei für eine Demokratische Gesellschaft), der zahlreiche Bürgermeister im Südosten der Türkei angehören, an die PKK appelliert, die Waffen ruhen zu lassen.

Die Kämpfer der PKK hatten sich nach der Gefangennahme Öcalans 1999 in den Nordirak zurückgezogen, eine längere Waffenruhe jedoch vor zwei Jahren beendet. Angriffe auf türkische Sicherheitskräfte und Bombenanschläge kurdischer Extremisten haben seither wieder zugenommen. Die Türkei lehnt Verhandlungen mit der auch von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuften PKK strikt ab. Einem Guerillakrieg der PKK für einen eigenen Staat waren zwischen 1984 und 1999 in der Türkei mehr als 30.000 Menschen zum Opfer gefallen.

Obwohl Öcalan im Gefängnis sitzt, hat er immer noch einen großen Einfluss auf die PKK. Die letzte einseitige Waffenruhe dauerte fünf Jahre bis zum Juni 2004. Seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe in diesem Jahr sind mindestens 110 PKK-Mitglieder und 78 Soldaten ums Leben gekommen. (APA/dpa)

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