Intendantin der Deutschen Oper wehrt sich: Intervention der Politik

2. Oktober 2006, 15:32
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Innensenator habe keine Sicherheitsgarantie übernommen - Polizei bereit für Wiederaufnahme

Berlin - Nach der Absetzung von "Idomeneo" an der Deutschen Oper in Berlin hat sich deren Intendantin Kirsten Harms gegen den Vorwurf gewehrt, voreilig gehandelt zu haben. Innensenator Ehrhart Körting habe ihr signalisiert, seine Behörde könne die Sicherung ihres Hauses nicht leisten, sagte die 50-Jährige in einem Interview. Die Kritik an der Absetzung der Mozart-Oper in der Inszenierung von Hans Neuenfels aus Furcht vor islamistischen Anschlägen riss unterdessen auch am Donnerstag nicht ab.

Harms sagte der Berliner Zeitung "B.Z.", sie sei fest entschlossen gewesen, die Inszenierung wieder auf den Spielplan zu setzen. Doch dann habe der Innensenator persönlich angerufen und ihr mitgeteilt, "dass seine Behörde keinerlei Sicherheit garantieren kann". Die Intendantin erklärte: "Mir wurde signalisiert, dass diese Inszenierung nicht nur eine Bedrohung für die Deutsche Oper darstellte, sondern für die gesamte Bundesrepublik und Einrichtungen im Ausland. Diese Bedrohung wurde mir sehr drastisch geschildert, und ich bin sehr verwundert, dass das plötzlich eine Bagatelle gewesen sein soll."

Künstlerische Freiheit gegen Fürsorgepflicht

Auf die Frage, ob sie mit Körting über Schleusen oder Ähnliches zur Sicherung der Oper diskutiert habe, antworte die Intendantin: "Der Innensenator hat mir gesagt, dass seine Behörde eine solche Sicherheit nicht leisten kann." Deshalb habe sie ihre künstlerische Freiheit gegen ihre Fürsorgepflicht für 2.000 Menschen abwägen müssen, die am Abend in der Oper zusammenkommen.

Körting hatte am Vortag erklärt, das Landeskriminalamt habe eine Analyse erstellt und erklärt, es könnte eine Gefährdungssituation geben. Er habe mit Harms gesprochen und sie auf die Risiken hingewiesen. Harms hatte darauf hin die vier November-Vorstellungen aus dem Repertoire genommen. Körting meinte: "Ob die Entscheidung richtig war, will ich nicht beurteilen."

Wiederaufnahme bei entsprechenden Sicherheitsgarantien

Der für einen Hang zur Provokation bekannte Regisseur Neuenfels lässt in seiner Inszenierung König Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed präsentieren. Opern-Sprecher Alexander Busche erklärte dem Blatt: "Wenn wir die entsprechenden Sicherheitsgarantien bekommen, dann wollen wir ernsthaft überlegen, ob wir die Inszenierung wieder aufnehmen."

Die Berliner Polizei steht unterdessen für den Fall einer Wiederaufnahme von "Idomeneo" bereit. "Falls die Deutsche Oper das Stück wieder ins Programm nimmt, müssen wir die Lage neu bewerten, auch im Hinblick auf den Wirbel, den der Fall in den Medien ausgelöst hat", sagte Polizeisprecher Bernhard Schodrowski am Donnerstag. Die Polizei habe der Deutschen Oper immer klar gesagt, dass sie für alle Fragen zu Sicherheitsaspekten zur Verfügung stehe - auch für den Fall, dass die Neuenfels-Inszenierung, in deren Schlussbild die abgeschlagenen Köpfe von Religionsstiftern wie Christus und Mohammed zu sehen sind, "in der bestehenden Form auf die Bühne kommen sollte". (APA/AP/dpa)

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