Alonso vor Showdown unversöhnlich

1. Oktober 2006, 17:04
83 Postings

Nach Monza-Eklat bleibt Spanier bei Kritik, F1 sei für ihn kein Sport mehr - Piloten tippen mehrheit­lich auf Schumacher als Weltmeister

Shanghai - Nach dreiwöchiger Pause geht die Formel-1-WM 2006 am Sonntag in Shanghai (8.00 Uhr MESZ/live ORF 1) in die drittletzte Runde. Und der nach 15 von 18 Läufen nur noch zwei Punkte vor Michael Schumacher in Front liegende Fernando Alonso beginnt sich gegenüber dem Deutschen einzuigeln. Popularität sei ihm egal, sagte der Weltmeister aus Spanien in Anspielung auf eine Popularitäts-Umfrage, die Schumacher viermal so viel Stimmen gebracht hatte. Auch seine Gesamt-Kritik bleibt aufrecht. Alonso betrachtet die Formel 1 nicht mehr als Sport.

Renault war im August der weitere Einsatz des monatelang unbeanstandeten Massedämpfers verboten worden, beim Italien-GP Anfang September war Alonso dann wegen einer angeblichen Behinderung von Ferrari-Pilot Felipe Massa durch eine fragwürdige Entscheidung der Rennleitung vom fünften auf den zehnten Startplatz verbannt worden.

25 Punkte sind auf zwei geschrumpft

Im Rennen war dann Alonsos Renault-Motor in aussichtsreicher Position kaputt gegangen, was Schumacher (37) nach dessen Sieg nicht nur in der WM knapp an den 25-jährigen Spanier heranbrachte, sondern jetzt dem Deutschen sogar die theoretische Chance ermöglicht, den 8. WM-Titel vorzeitig sicherzustellen. Mitte der Saison war Schumacher bereits 25 Punkte zurückgelegen.

Er werde zwar während der restlichen Saisonrennen im Rennauto nicht mehr daran denken, "aber insgesamt werde ich diese Vorfälle niemals aus meinem Gedächtnis löschen. Weder heuer, noch irgendwann in meinem Leben", gab sich Alonso am Donnerstag in China unversöhnlich. "Ich erinnere mich an viele meine Rennen. Monza wird eines davon sein", sagte Alonso, der sich in China mit einem Kinnbart im Musketier-Look zeigte.

"Vor allem eine große Show"

Damit beharrt Alonso nach dem Monza-Eklat auf seinen Aussagen, wonach er die Formel 1 nicht mehr länger als einen Sport ansehe. "Ich war damals verärgert, enttäuscht und frustriert. Aber ich bleibe bei meiner Meinung. Wenn ich etwas sage, dann meine ich es auch so. Die Formel 1 ist mein Job und mein Leben. Ich genieße es sehr, aber ich denke immer noch das gleiche." Was die Formel 1 denn nun für ihn sei? "Ein bisschen von allem, vor allem eine große Show", sagte Alonso.

Der Renault-Pilot glaubt aber nicht, dass das Geld den Ausgang der WM diktieren wird: "Die Meisterschaft wird jetzt entschieden. Es sind noch drei Rennen zu fahren und der, der die meisten Rennen gewinnt, wird Weltmeister. Wir haben eine große Chance. Nur müssen wir diese Chance beim Schopf packen."

Schumacher: "Nicht Business as usual"

Schumacher wiederum wollte 18 Tage nach der Verkündung seines Karriereendes nach dieser Saison nicht mehr darüber reden. Die volle Konzentration gilt den letzten drei Rennen seiner beispiellosen Laufbahn in Shanghai, eine Woche später in Suzuka und und am 22. Oktober beim Finale in Sao Paulo.

In gewisser Hinsicht sei es etwas Besonderes. "Es ist nicht Business as usual", sagte Schumacher: "Und darauf freue ich mich besonders." Seine Sicht der Dinge im Kopfduell gegen Alonso: "Psychologie ist, was auf der Strecke stattfindet. Der, der schneller ist, ist dem anderen überlegen."

Schumacher Favorit der Piloten

Eine Vielzahl von F1-Piloten tippt mittlerweile bereits auf Schumacher als Weltmeister. Schumis deutsche Rennkollegen ohnehin, selbst Bruder Ralf hat alte Zwistigkeiten ad acta gelegt und drückt dem großen Bruder die Daumen. "Das Paket spricht klar für Michael. Reifen und Auto sind eindeutig stärker", sagte der Toyota-Pilot. Der englische Honda-Pilot Jenson Button glaubt sogar, dass Schumacher die restlichen drei Rennen gewinnen wird. "Die drei verbleibenden Strecken liegen Ferrari einfach."

Pikantes Zünglein an der Waage könnte Kimi Räikkönen sein. Der Finne fährt 2007 für Ferrari, will aber umgekehrt im McLaren-Mercedes auch endlich seien ersten Saisonsieg feiern. Geht der auf Kosten von Schumacher, dürfte Ferrari nicht besonders glücklich darüber sein. (APA/Reuters/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Für den Bart sollte es eine Extra-Strafe geben.

Share if you care.