Naftogaz am Rande des Bankrotts

12. Oktober 2006, 14:22
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Zwei der größten Staatsbetriebe in der Ukraine - der Öl- und Gaskonzern Naftogaz Ukrainy und die Staatsbahnen stehen am Rande des Bankrotts

Kiew/Wien - Zwei der größten Staatsbetriebe in der Ukraine - der Öl- und Gaskonzern Naftogaz Ukrainy und die Staatsbahnen (Ukrzaliznitsja) - stehen am Rande des Bankrotts. Naftogaz könnte heuer Verluste in Höhe von 1,5 Mrd. Dollar (1,183 Mrd. Euro) schreiben, sagte Ministerpräsident Viktor Janukowitsch am Donnerstag. Der Schuldenstand der staatlichen Bahngesellschaft habe 7 Mrd. Hryvnia (1,1 Mrd. Euro) erreicht, sagte Janukowitsch bei der heutigen Regierungssitzung.

Die bedrohliche Situation der beiden Unternehmen sei auf zu starke finanzielle Belastungen und "ich scheue mich nicht, es zu sagen: auf kriminelles Management in den letzten eineinhalb Jahren" zurückzuführen, sagte Janukowitsch. Er hat Anfang August Jurij Jechanurow als Regierungschef abgelöst.

Monopol bis vor kurzem

Naftogaz hatte bis vor kurzem ein Monopol auf die Gasversorgung der ukrainischen Industriebetriebe und Haushalte. Nach dem im Jänner 2006 geschlossenen Kompromiss im Gasstreit mit Russland ist dem staatlichen Monopolisten jedoch nur noch das verlustreiche Geschäft mit Haushaltskunden geblieben.

Für russisches Gas muss die Ukraine seither 95 Dollar (statt 50 Dollar) für 1.000 m3 bezahlen. Die ukrainischen Betriebe werden nun von der Gashandelsgesellschaft RosUkrEnergo beliefert, einem Joint Venture des russischen Gasriesen Gazprom mit zwei ukrainischen Geschäftsleuten. Naftogaz versorgt nur noch die ukrainischen Endverbraucher - die Haushaltspreise für Gas sind jedoch seit 1999 unverändert geblieben. Die Regierung in Kiew wollte den Gaspreis für Haushalte im Juli verdoppeln, scheiterte jedoch am Widerstand des Parlaments. Das Parlament könnte sich in der kommenden Woche jedoch neuerlich mit den Gaspreisen beschäftigen, kündigte die Fraktionschefin der regierenden Partei der Regionen, Raissa Bogatyrjova, bei der heutigen Regierungssitzung an. (APA)

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    Naftogaz-Chef Oleksiy Ivchenko.

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