Entscheidende Rolle von Immunzellen bei Darmkrebs

9. Oktober 2006, 12:45
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Studie: Bessere Prognose über Tumorentwicklung durch Lokalisierung bestimmter T-Zellen

Graz/Wien - Immunzellen spielen bei der Entwicklung von Darmkrebs und damit für Prognose und Therapie eine entscheidende Rolle. Das hat eine französisch-österreichische Forschergruppe bei der Untersuchung von Gewebeproben von über 1.000 Patienten heraus gefunden. Die Auswertung der Ergebnisse, die in der Wissenschaftszeitschrift "Science" veröffentlicht wurden, erfolgte größtenteils am Institut für Genomik und Bioinformatik der Technischen Universität (TU) Graz unter der Leitung von Instituts-Vorstand Zlatko Trajanoski.

"Der Nachweis, dass Immunzellen für die Tumorbekämpfung mitverantwortlich sind, gelang bereits im Vorjahr", sagte Trajanoski. Jetzt konnte das französisch-österreichische Team einen Schritt weiter gehen und belegen, dass weit präzisere Prognosen über den Krankheitsverlauf bei Dickdarmkrebs-Patienten möglich sind als bisher. Dabei müssen nicht nur der Tumor selbst, sondern auch das benachbarte Gewebe auf bestimmte Immunzellen untersucht werden.

Prognose

Im Detail sind es so genannte T-Zellen mit Memory-Effekt, nach denen die Forscher fahnden. "Je mehr solcher Zellen im Tumor und in dessen unmittelbarer Umgebung sind, desto besser sind die Chancen für den Patienten auf Heilung", sagte der Wissenschafter. Die Suche nach den entscheidenden Zellen wird mittels immunologischer Methoden durchgeführt. Die Lokalisierung der T-Zellen lasse sogar eine bessere Prognose zu als herkömmliche Gewebsuntersuchungen.

Die Prognose, wie sich der Tumor entwickeln wird, ist nicht nur für die Überlebenschancen des Patienten entscheidend, sondern bestimmt auch die Therapieform. "Bisher wurden Darmkrebs-Patienten je nach prognostiziertem Krankheitsverlauf in vier Gruppen eingeteilt, die Gruppen eins und zwei wurden praktisch nur operiert, die Gruppe drei erhielt zusätzlich eine Chemo-Therapie, die Gruppe vier hat mit bereits entwickelten Metastasen generell eine schlechte Prognose", sagte Trajanoski.

Auswirkungen auf die Behandlung

Tatsache ist, dass es aber auch immer wieder Patienten aus den Gruppen eins und zwei gibt, bei denen der Krebs wieder aufflammt. Mit der neuen Methode über die Immunzellen glauben die Wissenschafter nun, die Chemo-Therapie noch gezielter einsetzen zu können. Es werden Patienten erfasst, die nach der bisherigen Einschätzung nur operiert wurden. Es könnte aber auch bei Patienten aus der Gruppe drei, wenn sich besonders viele Immunzellen finden, auf die belastende Chemo-Therapie verzichtet werden.

Die Arbeiten der Grazer Wissenschafter wurden vom Bildungsministerium über das Forschungsprogramm "GEN-AU" unterstützt. "Genomik gegen Krebs" ist einer der Schwerpunkte des Programms. Als nächsten Schritt planen die Wissenschafter die Erweiterung ihrer Erkenntnisse auf andere Krebsarten wie Prostata- und Eierstockkrebs. (APA)

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