EU-Kommission will Europas Energiemarkt aufbrechen

20. Oktober 2006, 14:13
posten

Wegen Vormachtstellung einiger Großkonzerne - Netzgeschäft der Konzerne sollte von deren Versorgungsbereich getrennt werden

London - Die EU-Kommission will verstärkt gegen die Vormachtstellung einiger Großkonzerne auf dem europäischen Energiemarkt vorgehen. Die hohe Marktkonzentration gebe den Unternehmen einen zu großen Spielraum, die Energiepreise zu erhöhen, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Donnerstag in London.

"Europa braucht einen offenen Markt. Ich bin bereit, ihn aufzubrechen", erklärte sie bei einem Branchentreffen. "Wenn wir als Kommission mit unserer Energiepolitik nicht erfolgreich sind, dann versagen wir als Kommission."

Interessenskonflikt vermeiden

Um die Liberalisierung der Energiemärkte voranzutreiben, müsse das Netzwerkgeschäft der Konzerne von deren Versorgungsbereich getrennt werden, betonte Kroes. Nur so könnten ein Interessenkonflikt vermieden und die richtigen Anreize für Investitionen in der Branche gesetzt werden. Der ungehinderte Zugang zu Strom- und Gasnetzen zu fairen Preisen gilt als einer der Voraussetzung für einen verstärkten Wettbewerb.

Übernahmekampf um Endesa im Visier

Zuletzt war der Übernahmekampf um den spanischen Versorgers Endesa ins Visier der Kommission geraten. Die Wettbewerbsbehörde hatte die Entscheidung des spanischen Regulierers CNE für illegal erklärt, die Übernahme durch den deutschen E.ON-Konzern an Auflagen zu knüpfen. Spanien sei verpflichtet, die Bedingungen unverzüglich aufzuheben, teilte die Kommission diese Woche mit.

E.ON bietet insgesamt 37 Mrd. Euro für Endesa. Der Düsseldorfer Konzern hatte sein Angebot erhöht, nachdem Spaniens Mischkonzern Acciona bei dem spanischen Energieversorger eingestiegen war. Acciona hatte je Endesa-Aktie deutlich mehr bezahlt als E.ON bis dahin bot. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes.

Share if you care.