"Sex-Symbol des denkenden Mannes" feierte 60er

9. Oktober 2006, 11:42
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US-Schauspielerin Susan Sarandon ist politisch engagiert, oskargekrönt, passionierte Mutter und bald wieder im Kino zu sehen

Los Angeles - Ihrem ersten Ehemann Chris Sarandon hat Susan Abigail Tomalin einiges zu verdanken: die erste Filmrolle und den inzwischen berühmten Nachnamen. 1968 begleitete die junge Literatur-Studentin ihren Gatten zu einem Casting-Aufruf nach New York. Der Nachwuchsschauspieler ging beim Vorsprechen leer aus. Stattdessen wurde sie für "Joe", ein Drama über den Generationskonflikt zwischen Hippies und Bürgertum, für die Rolle einer rebellischen Tochter engagiert. Ein passendes Omen für Susan Sarandon, die am 4. Oktober ihren 60. Geburtstag feierte. Noch immer zieht sie alle Blicke auf sich und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Freude übers Älterwerden

Die "Sixties" nimmt der rothaarige Hollywoodstar gelassen hin. "Ich freue mich aufs Älterwerden, wenn das Aussehen weniger zählt und es mehr um deine Person geht", sagte sie wenige Monate vor ihrem runden Geburtstag. Und dabei sinnierte sie auch über ihre Rundungen: "Man muss aufpassen, dass einem die eigene Brüste nicht die Schau stehlen". Sie sei mit dem Alter vollbusiger geworden, und das habe ihr einige Rollen eingebracht, vermutet Sarandon.

"Rocky Horror Picture Show"

Ihren ersten großen Leinwandhit hat sie allerdings der verklemmten Janet in der "Rocky Horror Picture Show" zu verdanken. In dem Kultfilm um einen außerirdischen Transvestiten spielte sie 1974 ein schüchternes Mädchen, das seine Lust an der Lust entdeckt. Nach ihrem Erfolgsdebüt an der Seite von Tim Curry als Dr. Frank N. Furter kam mit der Zeit der Titel hinzu, auf den sie immer noch stolz ist: "Sex-Symbol des denkenden Mannes".

Politisches Engagement

Sarandon setzte sich immer wieder für politische Themen ein, für das Recht auf Abtreibung wie auch für die Abschaffung der Todesstrafe. Sie protestierte gegen Vietnam, gegen den Irakkrieg und wurde bei Demonstrationen schon häufig in Handschellen abgeführt.

Vita und Karriere

Als ältestes von neun Kindern mit italienischen Vorfahren wuchs sie in einer streng katholischen Familie auf. Von ihrem Glauben hat sie sich jedoch längst verabschiedet: "Das fällt leicht, wenn man eine katholische Universität besucht", sagt die Absolventin einer Konfessions-Hochschule in Washington sarkastisch.

Der französische Meisterregisseur Louis Malle machte sie in den siebziger Jahren international bekannt und zu seiner Geliebten. In "Pretty Baby" (1978) spielte sie eine Hure in New Orleans, die die halbwüchsige Brooke Shields ins Gewerbe einführt. Es folgte "Atlantic City", wo sie den erfolglosen Gangster Burt Lancaster gekonnt um den Finger wickelt. Sarandon lebte einige Jahre in Italien, wo sie mit dem Drehbuchautor Franco Amurri 1985 eine Tochter bekam.

Ohne Trauschein

In der Baseballkomödie "Annies Männer" verführte sie 1988 gleich zwei Männer auf der Leinwand, Kevin Costner und Tim Robbins. Mit dem zwölf Jahre jüngeren Robbins funktionierte das auch im Privaten. Die beiden leben bis heute ohne Trauschein glücklich zusammen und haben zwei Söhne.

"Thelma and Louise"

Einen großen Coup landete Sarandon zusammen mit Geena Davis in "Thelma and Louise". Das Roadmovie um zwei Frauen mit Revolvern wurde 1991 zu einem kommerziell erfolgreichen Kultfilm für viele Feministinnen. Nach vier Oscar-Nominierungen, darunter für "Thelma and Louise" und "Der Klient", kam Sarandon unter der Regie ihres Lebensgefährten Robbins 1996 endlich zum Zug: In dem Todesstrafen- Drama "Dead Man Walking" spielt sie eine Nonne, die einen Mörder (Sean Penn) vor der Hinrichtung betreut. Die Oscar-Trophäe soll einen Ehrenplatz in ihrem Badezimmer gefunden haben.

Mutterglück

"Es braucht viel, um mich aus meinem häuslichen Paradies zu locken", versichert die passionierte Mutter, die sich nur ungern von ihrer Familie für längere Dreharbeiten trennt. So glänzt sie nun oft in Nebenrollen, wie zuletzt neben Richard Gere in "Darf ich bitten?", mit Jude Law in "Alfie und Orlando Bloom in "Elizabethtown". Sarandon-Fans werden in "Doris and Bernard" bald wieder mehr von dem Star zu sehen bekommen. Darin spielt sie die Tabakmillionärin Doris Duke, die ihrem schwulen Butler (Ralph Fiennes) ihr gesamtes Vermögen hinterlässt. (APA/dpa)

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    Susan Sarandon hat sich vom "Pretty Baby" längst emazipiert. Mit 60 steht sie nach wie vor vor der Hollywoodschen Kamera - eine kleine Seltenheit.
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