Jelinek/Neuwirth-Oper nicht vor 2011

5. Oktober 2006, 23:07
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Konflikte mit Salzburg-Intendant Flimm

Wien - Die ohnedies bereits an Wirrnissen reiche Entstehungsgeschichte von Olga Neuwirths Oper "Der Fall des Hans W.", zu der es ein fertiges Libretto von Elfriede Jelinek gibt, geht in die nächste Etappe: Kurz nachdem der neue Intendant der Salzburger Festspiele, Jürgen Flimm, in "News" sagte, er wolle die Oper 2009 auf die Bühne bringen, heißt es nun in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Die Bühne", die Komponistin könne wegen anderer Aufträge die Oper frühestens 2010 fertig stellen, die Uraufführung wäre also erst 2011 möglich. Allerdings scheint der Weg bis dahin noch mehr als steinig.

Laut "Bühne" habe Flimm ohne Absprache mit den beiden Künstlerinnen eine Koproduktion mit der Amsterdamer Oper vereinbart und deren Chef, Pierre Audi, dessen Salzburger "Zauberflöten"-Inszenierung heuer Verrisse erhielt, die Regie übertragen. Olga Neuwirth weigere sich nun, auch nur eine Note zu schreiben, heißt es. Heftig kritisiert sie "diese tyrannischen Machtentscheidungen ohne Einbindung der Künstler": "Gerade dieser Stoff braucht keine harmlose Umsetzung, sondern eine explosive, gerade auch in Salzburg. Den Überhit finde ich aber, dass der Audi nicht einmal das Libretto kennt."

"Das stinkt zum Himmel"

"Halbherzigkeiten und Mittelmaß gehen bei diesem Stoff nicht", so Neuwirth in der "Bühne", "und ich setze mich nicht wieder eineinhalb Jahre meines Lebens an den Schreibtisch und schinde mich ab, um schon vorher zu wissen, dass etwas Mittelmäßiges (das ist ja das Schlimmste!) herauskommt." Und : "Das stinkt zum Himmel, was der Flimm von sich gibt und wie er mit Komponisten umgeht. (...) Wir sind nichts als Abfall."

Wie bereits bekannt, setzt sich der Startenor Neil Shicoff sehr für die Verwirklichung der Oper ein und würde gerne die Titelrolle übernehmen. Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth wünschen sich als Regisseur den Dänen Lars von Trier, der mit ihnen, wie Jelinek sagt, "unbedingt etwas machen will, am liebsten eine 'Operette'". Im übrigen habe niemand mit ihr über mögliche neue Pläne gesprochen, so die Autorin.

Komponistin: "Sachverhalte aus dem Zusammenhang genommen"

Die Komponistin Olga Neuwirth hat in einer Stellungnahme gegenüber der APA auf den Artikel zu der geplanten Oper "Der Fall des Hans W." in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Die Bühne" reagiert: "Zu meinem Bedauern wurde eine nicht für die Öffentlichkeit bestimmte private Email als offizielle Befragung präsentiert. Sachverhalte wurden aus dem Zusammenhang genommen, angedachte Zeitpläne als konkret dargestellt. Ausdrücklich hatte ich betont, dass ich mich zu diesem Thema derzeit nicht mehr öffentlich äußern möchte."

Bei der "Bühne" heißt es dazu, dass die für den Artikel verwendeten E-Mails von Olga Neuwirth an die "Bühne"-Chefredakteurin gerichtet waren und keinerlei Absprachen für eine Nicht-Veröffentlichung getroffen waren. (APA)

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