Atomic-Konkurs am Tapet

10. Oktober 2006, 13:40
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Laut Berichten hat sich der Verdacht verhärtet, dass Elsner den heimischen Skihersteller 1994 in den Konkurs trieb

Wien - Der Konkurs des größten österreichischen Skiherstellers Atomic Ende 1994 wird von der Staatsanwaltschaft Wien am Rande des großen Bawag-Verfahrens mitberücksichtigt. Dies bestätigte Gerhard Jarosch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, am Donnerstag. Sollte sich dabei etwas Relevantes ergeben - es gibt Behauptungen, die Bawag habe Atomic vorsätzlich in die Pleite getrieben -, werde man die Causa wahrscheinlich an die Staatsanwaltschaft Steyr zurücküberweisen.

"Wir schauen uns das im Zuge des Bawag-Verfahrens an", sagte Jarosch. Dass der Atomic-Konkurs derzeit neu aufgerollt werde, davon könne aber nicht die Rede sein. Das Verfahren sei ursprünglich von der Staatsanwaltschaft Steyr eingestellt worden.

Laut einem Bericht der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) von Donnerstag würden eine Konkursquote von über 100 Prozent und eine aktuelle Aussage des Konkursrichters den Verdacht erhärten, dass der Skihersteller von ExBawag-Chef Helmut Elsner "völlig unnötig" in die Pleite getrieben wurde.

Zwangsausgleich

Hintergrund der laut Zeitung laufenden Untersuchungen sei die Tatsache, dass die Atomic-Insolvenz letztlich mit einer Gesamtquote von deutlich mehr als hundert Prozent abgeschlossen wurde. Die Quote im Konkurs habe 73,8 Prozent und im Zwangsausgleich des persönlich voll haftenden Einzelunternehmers Alois Rohrmoser 20 Prozent betragen. "Rechnet man noch die Millionenkosten für das Insolvenzverfahren einschließlich der damit zusammenhängenden Prozesse dazu, kommt man auf eine Quote zwischen 104 und 107 Prozent. Dies alleine würde zeigen, dass Atomic keinesfalls konkursreif gewesen sei", so die "OÖN".

Anzeige

In diesem Zusammenhang sei nun auch ein Verhandlungsprotokoll des Landesgerichts Wien vom 23. Mai 2006 aufgetaucht, so die "OÖN" weiter. Atomic-Masseverwalter Karl Ludwig Vavrovsky und Insolvenzrichter Gregor Sieber hatten Volksanwalt Ewald Stadler geklagt. Dieser hatte ihnen vorgeworfen, beim Atomic-Konkurs wäre es "nicht mit rechten Dingen" zugegangen. Auf die Frage von Richterin Brigitte Zeilinger, ob es für ihn nicht offensichtlich gewesen sei, dass die BAWAG nur die Kontrolle über Atomic und nicht nur eine Forderung durchbringen wollte, gab demnach Sieber zu Protokoll: "Die Bawag wollte diese Konkurseröffnung und hat keine Kosten und Mühen gescheut, dies 100 Prozent wasserdicht zu machen. Sie geben doch nicht 3,5 Millionen Schilling (Anm.: 254.000 Euro) Kosten für eine Wechselgeldzahlung drauf und noch Barauslagen aus Jux und Tollerei." Der damalige Bawag-Anwalt habe sogar sein Mandat zurückgelegt, weil er bei diesem Vorgehen Elsners nicht mitmachen wollte, so die Zeitung.

Im Zusammenhang mit dem Atomic-Konkurs hat wie berichtet Ende März dieses Jahres der Wiener Anwalt Werner Masser eine Anzeige eingebracht und behauptet, die Bawag habe Ende 1994 den Skiproduzenten und dessen Gründer Alois Rohrmoser in den Konkurs getrieben, um im Insolvenzverfahren Verluste aus Karibikgeschäften zu verschleiern. Einen Zusammenhang mit den Karibikgeschäften ortete laut OÖN auch eine Anzeige des Landesgendarmeriekommandos Salzburg: Dessen Ermittler fanden im Konkurs zwei Überweisungen der Atomic-Tochter Koflach an Firmen in Dublin/Irland. Über dieselbe Adresse seien 1994 von Wolfgang Flöttl auch jene Karibikgeschäfte abgewickelt worden, die letztlich zur Bawag-Affäre geführt hätten.

Die Bawag verwehrte sich im April dieses Jahres auf das Schärfste gegen die - auch von Seiten der FPÖ und des BZÖ - vorgebrachten Behauptungen, den Atomic-Konkurs bewusst und vorsätzlich herbeigeführt zu haben und behielt sich rechtliche Schritte vor. (APA)

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